Wolfen macht doch noch weiter

Dietmar Bebber, 08.07.2011

Wolfen macht doch noch weiter

«Verbandsliga ist das Pfund»

VON CHRISTIAN KATTNER
Pressekonferenz
Uwe Witczak (rechts) spricht auf der Pressekonferenz zu den Medienvertretern. Ronald Lochmann (Mitte) und Co-Trainer Lutz Weidner hören zu. (FOTO: RINKE)
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WOLFEN/MZ. Die gute Nachricht vorneweg: Auch in der kommenden Saison wird in Wolfen Verbandsligafußball gespielt. Wohl nicht viele hatten daran geglaubt, dass man überhaupt eine Mannschaft zusammenbekommt. Eine Auflösung der zweiten Mannschaft stand für viele "Kenner der Szene" sogar eigentlich schon fest, auch das Verbandsligateam stand angeblich schon auf der Kippe. Allen Unkenrufen zum Trotz präsentierte sich am Donnerstagabend im Jahnstadion eine vollständige Mannschaft. "Aufgrund der Geschehnisse war es schwer, einen Kader zusammenzustellen", muss auch Ronald Lochmann zugeben.

Ronald Lochmann? Verband man seinen Namen viele Jahre mit dem Wolfener Nachwuchs, so verschlug es ihn vor gut einem Jahr komplett nach Thalheim - das Kapitel Grün-Weiß schien abgehakt. Mehrere Umstände sorgten allerdings für einen Richtungswechsel, sicherlich, aus Wolfener Sicht, begünstigt durch die vorzeitige Beendigung seiner Trainertätigkeit in Thalheim. Der Kontakt nach Wolfen bestand indes immer weiter, auch weil Sohn Dan im Verbandsligateam aktiv war.

In einer für Grün-Weiß Wolfen existenziellen Situation wird aber auch Ronald Lochmann wieder im Verein aktiv - seine derzeitige Bezeichnung: Mitglied im Übergangsvorstand. Der wurde am Mittwochabend ins Leben gerufen, setzt sich aus Mathias Schönherr (Vorsitzender), Daniel Trettner, Jürgen Voigt und Ronald Lochmann zusammen. Als Sprachrohr nach außen und Sprecher des Aufsichtsrates fungiert Uwe Witczak.

Und der weiß ganz genau um die derzeitige Lage des Vereins, versucht auch gar nicht irgendetwas zu beschönigen. "Wäre die Mitgliederversammlung am Mittwoch nicht so gut gelaufen, würde es wohl hier keinen Fußball mehr geben", sagt Witczak und muss dabei noch weiter zurückblicken: "Neben dem sportlichen kam in der vergangenen Saison auch ein wirtschaftliches Problem, gab es zusätzliche Belastungen, die nicht vorherzusehen waren." Auf genaue Zahlen will Witczak dabei nicht eingehen, die Mitglieder kennen sie mittlerweile. Doch trotz der hohen Verbindlichkeiten will man kämpfen - allen voran die Spieler. Jeweils 15 Akteure der ersten und zweiten Mannschaft haben ihre Treue bekundet, legen ihr Vertrauen in die Übergangsführungsriege. "Das ist für mich ein Anfang, um sich sportlich sukzessiv zu erweitern", so Witczak.

Das scheint auch trotz aller Widrigkeiten gelungen zu sein. Zwei Abgängen stehen bislang vier Neuverpflichtungen gegenüber, hat sich sowohl Quanti- als auch Qualität im Kader erhöht. Verlassen Hagen Bernard (Eintracht Bitterfeld) und Marius Nowoisky (VfL Halle 96) den Verein, so kehren mit Frank Berger und Stefan Bebber zwei Spieler zurück, die Wolfen nach dem Oberligaaufstieg noch in Richtung Sandersdorf verlassen hatten. Mit Florian Schneier kommt ein weiterer ehemaliger Unioner zu den Grün-Weißen. Der vierte Neuzugang ist Max Eschner vom Landesligisten SV Dessau 05.

Doch soll in Zukunft auch wieder ein größeres Augenmerk auf den Nachwuchs gerichtet sein. "Wir bedanken uns bei Rot-Weiß Thalheim für die Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages", so Witczak. Genau das sei für ihn der richtige Weg in eine wieder erfolgreichere und ruhigere Zukunft. Auch eine Zusammenarbeit im Männerbereich will er nicht ausschließen: "Gerade das Thema mit Bitterfeld muss aufgegriffen werden, die Verbandsliga ist dabei unser Pfund."

Nicht unbedingt eine Fusion beider Vereine soll am Ende dieser Idee stehen, zumindest eine Zusammenarbeit würde durchaus auch für Nachwuchsfußballer interessant sein. Verbandsliga in Wolfen, Landesliga in Bitterfeld, Landesklasse in Wolfen - die drei höchsten Spielklassen wären abgedeckt, könnten den Sprung in den Männerbereich erleichtern. Doch genau wie für die Aufarbeitung aller wirtschaftlicher Probleme, wird wohl auch etwas Zeit vergehen, bis wieder Nachwuchs den Sprung zu den Senioren schafft. Doch scheint ein Anfang gemacht.


Quelle:Mitteldeutsche Zeitung - online