SV Dessau 05 trat nicht in Piesteritz an

Daniel Richter, 21.04.2009

SV Dessau 05 trat nicht in Piesteritz an

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens stimmt die Mannschaft gegen einen allerletzten Auftritt

 

 

 

Martin Stutz am Spielfeld
Martin Stutz am Spielfeld: In dieser Saison wird 05 kein Verbandsliga-Pflichtspiel mehr bestreiten.

WITTENBERG/DESSAU/MZ/SB. Die Entscheidung fiel in der Kabine und ganz demokratisch: Freitag am späten Abend war es, als die Mannschaft von Fußball-Verbandsligist Dessau 05 abstimmte, ob man am Sonntag bei Grün-Weiß Wittenberg-Piesteritz antritt oder nicht. Das Ergebnis war eindeutig. Minuten später ging ein Anruf in die Lutherstadt. Das Derby wurde abgesagt - und dafür die 05-Reserve verstärkt, die prompt mit 5:0 gegen den ESV Lok gewann.

Seit Freitag steht fest: Die unglückliche 1:2-Niederlage am Gründonnerstag bei Spitzenreiter VfL Halle 96 wird als das vorerst letzte Verbandsliga-Punktspiel in die über 100-jährige 05-Geschichte eingehen. Zur neuen Saison steht ein Neuanfang in der Landesliga an. Mit wem, das muss sich in den nächsten Tagen entscheiden.

Kurz vor der Abstimmung hatten Präsident und Insolvenzverwalter die Mannschaft über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens - und die damit verbundene Kündigung aller Verträge für Spieler und Trainer informiert. Das sorgte für heftige Diskussionen. Auch, weil nicht endgültig geklärt werden konnte, ob die Spieler im Falle eines Falles weiter versichert sind oder nicht. "Das war für mich das entscheidende Argument gegen das Spiel", bekannte Torwart Stefan Spielau, der trotz seines beruflichen Wechsels nach Berlin weiter bei Dessau 05 trainierte und spielte. Bis Freitag.

"Wir haben die Entscheidung der Mannschaft überlassen", sagte Co-Trainer Martin Stutz. "Es macht keinen Sinn, ein Derby zu bestreiten, wenn nicht alle 100-prozentig bei der Sache sind." Ein Debakel wollte keiner erleben. 05-Präsident Burker-Wieland Jüngling hatte vor der Abstimmung zwar noch einmal an die Ehre der Spieler appelliert. Vergebens allerdings.

Das Hin und Her aber wird Folgen haben. "Es war richtig, die Mannschaft zu fragen", verteidigte Trainer Dirk Metzker den gegangenen Weg und die eigenen Spieler. "Es gab zu viele offene Fragen." Präsident Burker-Wieland Jüngling ließ das gegenüber der MZ unkommentiert. "Vor der Präsidiumssitzung am Donnerstag werde ich mich zu diesem Eklat nicht äußern." Jüngling will dort ein Konzept für den Neuanfang vorlegen.

In der Lutherstadt Wittenberg wurde die Absage gefasst aufgenommen. "Ich finde es schade, dass nach Anhalt jetzt der zweite Dessauer Verein krachen geht", sagte Wittenbergs Co-Trainer Olaf Aßmann. "Noch schlimmer ist die Tatsache, dass die jetzigen Verantwortlichen die Suppe für ihre Vorgänger auslöffeln müssen. Sie haben eine junge Truppe aufgebaut und solide Arbeit geleistet."

Trotz entgangener Derby-Einnahmen ist Wittenberg ein Gewinner der 05-Insolvenz. Mit dem feststehenden 05-Abstieg und dem Herausrechnen aller 05-Ergebnisse gibt es in der Tabelle einige Verschiebungen. Piesteritz war im Hinspiel mit 2:3 unterlegen - und verliert nun keine Punkte. Der VfL Halle und der TSV Völpke beispielsweise bekommen sechs Punkte abgezogen. Das Aufstiegsrennen wird wieder spannend.

05 wird das als unbeteiligter Zuschauer verfolgen. "Wir werden weiter trainieren", kündigte Co-Trainer Martin Stutz an. Um sich fit zu halten. Für Dessau 05? "Die Gespräche müssen schnellstmöglich geführt werden."


Quelle:MZ