Wie es in Wolfen erst einmal weitergeht

Dietmar Bebber, 04.12.2011

Das Herzstück schlägt weiter

VON Thomas Schaarschmidt
Bitterfeld/MZ. Nein, es war nicht die einfachste Woche im Leben des Alexander Bittl. Zumindest nicht aus fußballerischer Sicht. Am vergangenen Montagabend bekam der Trainer der zweiten Herrenmannschaft des FC Grün-Weiß Wolfen zu hören, worüber Tags darauf die gesamte Fußballszene sprechen sollte: Der Verein wird Insolvenz anmelden. "Auch für uns war das erst einmal ein Schock", sagt Bittl, "da gab es vieles, was sacken musste."

Doch von Anfang an - egal ob in der Pressemitteilung des Vereins oder des Landesverbandes - wurde immer wieder eines klargestellt: Die zweite Mannschaft darf und soll ihren Spielbetrieb in der Landesklasse fortsetzen. Doch wollte die das auch? "Wir haben uns als Team beraten und die Entscheidung relativ schnell gefällt", erzählt Bittl, "für uns ist klar, dass wir die Saison zu Ende spielen und verbissen um den Klassenerhalt kämpfen werden."

Die Entscheidung fiel trotz der Umstände nicht schwer. "Die zweite Mannschaft ist für mich so etwas wie das Herzstück des Vereins", sagt Alexander Bittl, "einige Spieler tragen schon ihr ganzes Leben das grün-weiße Trikot. Wir werden auch in dieser schwierigen Situation dem Verein die Treue halten." Daran änderten auch die Avancen anderer Vereine nichts, die sofort nach Bekanntwerden der Insolvenz einige Spieler der Reserve erhielten. In einem Verein mit ungewisser Zukunft soll Wolfen II vorerst das Aushängeschild sein - und gern auch Auffangbecken für Spieler des nun ehemaligen Verbandsliga-Kaders. Doch Bittl rechnet nicht damit, dass viele Kicker von dort demnächst zwei Ligen tiefer das grün-weiße Trikot tragen. "Realistisch betrachtet werden sicher die meisten den Verein verlassen und nicht bei uns auflaufen."

Damit dürften auch die Kritiker verstummen, die zuletzt begannen, ob einer möglichen Stärkung der Landesklasse-Mannschaft von Wettbewerbsverzerrung zu sprechen. Bei der Partie am Sonnabend in Sangerhausen, die 2:4 verloren ging, wirkten in Daniel Trettner, Marcus Jeckel und Torhüter Christian Zehle drei Kicker mit, die bisher im Verbandsligakader standen. "Daniel hat schon signalisiert, dass er uns unterstützen wird, mit Christian bin ich im Gespräch und Marcus hat aufgrund unserer grundsätzlichen Personalprobleme erst einmal ausgeholfen", so Bittl.

Die Niederlage beim Schlusslicht will der Trainer jedoch nicht auf die unruhige Woche zurückführen. "Wir waren dominant, hatten unsere Tormöglichkeiten und haben sie einfach nicht genutzt." Das soll schon nächste Woche besser werden, wenn die Wolfener zum Abschluss der Hinrunde den VfB Gröbzig empfangen. "Und natürlich würde es uns freuen, wenn uns dann viele Fans unterstützen", sagt Bittl, dem versichert wurde, dass Bus- und Schiedsrichterkosten auch weiterhin gesichert sind.

Und so nimmt die Reserve den Kampf um den Klasserhalt auf, der am Ende ein wichtiges Puzzleteil der möglichen Zukunft des Vereins sein könnte. "Wenn wir in der Liga bleiben", so Bittl, "dann hätte der Verein im Sommer einen Startplatz in der Landesliga und der Landesklasse zur Verfügung." Dann könne er überlegen, wo der Neuanfang beginne. Für zwei Mannschaften wird es nach Bittls Ansicht nicht reichen. "Dafür dürfte der Aderlass zu groß sein."

Über den nächsten Sommer aber denkt in Wolfen momentan noch keiner nach, dafür ist die Lage zu kritisch. Doch eines ist klar: Noch gibt es Fußballer, die das grün-weiße Trikot tragen.


Quelle:Mitteldeutsche Zeitung - online

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