Tschüss, Verbandsliga!
PR Team, 12.05.2012
Wirtschaftliche Gründe
Die Kemberger Abteilungsleitung Fußball hatte Anfang dieser Woche den Antrag gestellt, "aus wirtschaftlichen Gründen auf dem Verbleib in der Verbandsliga zu verzichten". Dieser Antrag war beim Fußball-Landesverband (FSA) eingereicht worden, der Mitte der Woche darüber befand und seine Zustimmung erteilte. Am späten Donnerstagnachmittag erging die Empfehlung des FSA an den zuständigen Spielausschuss, dem Antrag zu folgen. Die Rot-Weißen berieten sich am Donnerstagabend noch einmal abschließend dazu.
Sollten Kemberg und Fortuna Magdeburg nach den letzten fünf Spieltagen aufgrund der gesammelten Punkte nicht von selbst die Plätze in der Tabelle tauschen, wird Kemberg automatisch auf den zweiten Abstiegsplatz gesetzt. Der erste Absteiger war Wolfen. Der Traditionsverein hatte innerhalb der Serie einen Insolvenzantrag gestellt. Die Landeshauptstädter verbleiben aufgrund der in dieser Woche getroffenen Entscheidung auf jedem Fall in der Liga.
Leicht sei es niemanden gefallen, diesen Antrag beim FSA zu stellen, betonte ausdrücklich Stefan Kohnert, Mitglied Abteilungsleitung. "Wir wissen, dass wir damit Enttäuschungen bei den Verbandsliga-Spielern und den Fans hervorrufen." Noch größer wurden die Gewissensbisse, als sich zuletzt andeute, dass die von Falko Rupprecht trainierte Mannschaft den Klassenerhalt schaffen kann. Kohnert berichtete, "dass wir zu diesem Thema eine Mitgliederversammlung durchgeführt haben, bei der sich die Mehrzahl dem Antrag, freiwillig in die Landesliga zurückzukehren, angeschlossen hat."
Doch warum jetzt dieser Schritt kurz vor Saisonende? Kohnert geht nicht im Detail auf die wirtschaftlichen Gründe ein, "dies ist Vereinssache". Er deutete jedoch an, "dass wir in den vergangenen Monaten festgestellt haben, dass die Verbandsliga finanziell eine Nummer zu groß ist". Der Verein besteht seit 80 Jahren, "wir wollten nicht wie andere in die Situation kommen, in einigen Monaten die Insolvenz anmelden zu müssen".
Das Abteilungsmitglied spricht davon, dass man nicht mehr den Weg beschreiten kann und will, das Team mit teuren, auswärtigen Spielern zu bestücken, um in der Liga zu bestehen. "Die jetzige Abteilungsleitung ist sich einig, dass wir wieder dem eigenen Nachwuchs eine Perspektive geben müssen. Und die liegt unserer Meinung nach maximal in der Landesliga." Damit trage man der neuen Vereinspolitik Rechnung. Die Entscheidung kann auch Auswirkungen auf das Kreisoberligateam haben. Stefan Kohnert dazu: "Sollte Kemberg II Erster werden, müssen wir uns dazu noch eine Meinung bilden. Ein Verzicht auf den Aufstieg ist jedoch möglich."
Trainer bedauert Entschluss
Aus rein sportlicher Sicht kannFalko Rupprecht, Coach der Ersten, den freiwilligen Abstieg nicht verstehen. "Ich kann mir keine Meinung bilden, was finanzielle Belange betrifft. Da habe ich keinen Einblick." Er findet jedoch, dass sich der Verein selbst um Chancen bringt. "Die Attraktivität und die Anziehungskraft leiden mit der Aussage, dass man nicht höher als Landesliga spielen will, auf jedem Fall." Auch seine persönliche Entscheidung, nach der Saison weiter als Trainer in Kemberg zu arbeiten, werde er jetzt einer neuen Prüfung unterziehen. Rupprecht war Anfang der Woche über die Entscheidung informiert worden. Zur Wochenmitte hat er die Mannschaft unterrichtet. "Da ist die Meinung zweigeteilt", sagte er, fügte aber zugleich an: "Vor unseren Fans gegenüber haben wir die Pflicht, anständig die Liga zu verlassen. Auch wenn wir wissen, dass der Abstieg jetzt doch kommt, wollen wir die letzten Begegnungen erfolgreich abschließen."
Rückblick
Keine einfaches Jahr für Rot-Weiß
Für Coach Jiri Andrusak war dies keine befriedigende Situation. Er kündigte seinen Trainervertrag im Januar 2012 vorfristig, da sich seine Ansichten der künftigen Entwicklung nicht mit denen des Vereines deckten. Zu dieser Zeit trat auch der damalige Abteilungsleiter Jens Panier von seinem Amt zurück. Es kam zu Spannungen mit Hauptsponsor Torsten Fenger.
Der menschliche Tiefpunkt wurde vor wenigen Wochen erreicht, als ein Spieler der Mannschaft bei einem Autounfall ums Leben kam. Doch trotz all dieser Sorgen und Probleme hat es die Mannschaft unter dem jetzigen Coach Falko Rupprecht geschafft, sich zu fangen und aus eigener Kraft den Klassenerhalt anzustreben. Trotzdem werden die Rot-Weißen nun absteigen.
Quelle:Mitteldeutsche Zeitung - online
