Oberliga - Wolfen abgestiegen
Daniel Richter, 03.06.2009
Oberliga: Wolfen verabschiedet sich nach 1:5-Heimniederlage gegen Bautzen aus der Oberliga
Desaströser Abgang durch die Hintertür

Nur nichts mehr davon sehen wollen - in den Schlussminuten gab sich Grün-Weiß Wolfen am Sonntag gegen Bautzen fast komplett auf.
WOLFEN/MZ. Ein pralles Informationsmekka war sie noch nie, die Internetseite des FC Grün-Weiß Wolfen. Mehr oder weniger regelmäßige Vorberichte zu den Spielen, nach Siegen durchaus zeitnahe, wenn auch kurze Spielberichte, nach Niederlagen tendenziell erst einmal Stille - so präsentierte sich in den vergangenen Monaten die
virtuelle Heimat des Oberligisten im Netz. Klare Worte aber, nicht ungewöhnlich, fehlten meist. Bis Montag. "Eilenburg und insbesondere unsere A-Junioren im vergangenen Landespokal-Halbfinalspiel gegen Magdeburg haben uns gezeigt, was Moral, Siegeswillen, Disziplin und Kämpfen bis zum Umfallen bedeuten. Nichts von all dem im letzten Oberligaheimspiel gegen Bautzen", stand da geschrieben. Und wer immer der Autor war - sein Name bleibt ungenannt -, ging in der Beurteilung der 1:5-Heimniederlage am Sonntag gegen Bautzen noch einen Schritt weiter. "So", hieß es in dem Text, "kann man sich nicht ergeben und regelrecht abschlachten lassen."
Traumtor bleibt ohne Wert
Erfolge und Siege, sagt man gern über den Fußball, definieren das Aussehen des Briefpapiers eines Vereins. Große Niederlagen aber würden seinen Charakter aufzeigen. Insofern dürfte es nicht gut stehen um den FC Grün-Weiß Wolfen. Dessen turbulente Woche, bestehend aus Trainerrücktritt (alternative Schreibweise: Entlassung), Trainerberufung (René Block und Lutz Weidner, Weidner jedoch beruflich verhindert) und Zweckoptimismus (Das Wunder von Wolfen?), endete in der zweiten desaströsen Heimniederlage innerhalb von sieben Tagen und dem damit feststehenden Abstieg in die Verbandsliga. Dass die Anhänger des Clubs nach dem Abpfiff ihrem Unmut gegen Mannschaft und Verantwortliche mehr als deutlich Luft machten, kann in dieser Situation nicht überraschen.
"Die Art und Weise der Niederlage vergangene Woche gegen Erfurt II", meinte Sportdirektor René Tretschok, "war einer der bittersten Momente meiner Karriere. Und die Partie gegen Bautzen eigentlich eine Fortsetzung davon." Genau wie am Spieltag zuvor waren die Grün-Weißen zunächst wieder in Führung gegangen. Doch weder der Zeitpunkt (direkt vor dem Halbzeitpfiff) noch das Zustandekommen (herrlicher Fallrückzieher) des Treffers von Tim Hebsacker verliehen der Mannschaft die notwendige Stabilität, die Partie für sich zu entscheiden. Der schnelle Ausgleich der Gäste nach einem Konter (49.) produzierte erneut Wackel- und Lähmungserscheinungen, die spätestens nach dem 1:3 (77.) Tendenz zum ungeordneten Rückzug zeigten. "Es kann nur an den Köpfen liegen", meinte Tretschok, "da spielt es auch keine Rolle, wer draußen auf der Trainerbank sitzt." Diesen undankbaren Platz hatte nach dem Abschied von Rastislav Hodul René Block eingenommen. Für das Wolfener Urgestein alles andere als eine angenehme Premiere. Lutz Weidner, zweiter Teil des Trainertandems, musste am Sonntag passen. Doch der Effekt, den sich die Verantwortlichen vielleicht noch vom Übungsleiterwechsel versprochen hatten, blieb aus. "Nach dem Ausgleich", erkannte Präsident Udo Pawelczyk, "sind wieder alle Dämme gebrochen." Für die Reaktion der Fans hatte der Vereinschef Verständnis. "Die kommen ja nicht ins Stadion, um so etwas zu erleben."
Trainersuche diese Woche beendet
Auf Pawelczyk und seine Mitstreiter kommt nun eine richtungweisende Woche zu. Die Zukunft von Sportdirektor René Tretschok muss geklärt, der neue Trainer soll bis zum letzten Spiel am Sonntag in Pößneck präsentiert werden. Der Zeitpunkt dafür ist mit Bedacht gewählt. "Die Spieler sollen wissen, mit wem wir in die neue Saison gehen." Vorgespräche mit Trainerkandidaten seien geführt worden, nun, da feststehe, dass Wolfen 2009 / 2010 definitiv ein Verbandsligist ist, könne man sich auch abschließend einigen. "Wir wollten noch so lange warten, bis die Spielklasse für nächste Saison auch wirklich sicher ist", so Udo Pawelczyk. Zumindest in dieser Hinsicht besteht nun im Jahnstadion Klarheit. An vielen anderen Baustellen des Clubs aber gilt es jetzt den Nebel zu lichten.
Quelle:MZ
