SV Dessau 05
Daniel Richter, 05.06.2009
Auf der Jahreshauptversammlung zieht der scheidende Präsident eine positive Bilanz
Jüngling kämpft sein allerletztes Gefecht

Will 05 übernehmen: Ulf Schuster.
DESSAU/MZ. Die Ära von Burker-Wieland Jüngling als Präsident des SV Dessau 05 ist zu Ende. Auch wenn auf der Jahreshauptversammlung am Mittwochabend nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, ein Nachfolger gewählt wurde und der ursprünglich aus Ilmenau stammende Pensionär somit bis zur Neuwahl am 1. Juli kommissarisch im Amt bleiben wird - die Zügel beim Traditionsverein aus dem Dessauer Norden liegen längst in anderen Händen.
Jüngling nutzte deshalb am Mittwoch auch die Chance, um seine im April 2008 begonnene Arbeit noch einmal darzulegen. "Wir haben einen hoch verschuldeten Verein übernommen und übergeben einen schuldenfreien", betonte er gleich zu Beginn seines Rechenschaftsberichtes, in dem er über den Stand des Insolvenzverfahrens informierte. Dieses kann, so der Stand der Dinge, wie geplant im Juni abgeschlossen werden. Nach Ende der Einspruchsfrist wäre Dessau 05 dann im Juli tatsächlich die Last von 200 000 Euro Schulden los. Offen blieb, was aus den Forderungen eines nur durch das Insolvenzverfahren momentan ruhenden Arbeitsgerichts-Prozesses wird.
Den Weg bis zur Entschuldung beschrieb Jüngling als "permanenten Überlebenskampf". So hätte sein Vorgänger Hans-Werner Pohl eine für das Finanzamt nicht schlüssige Steuererklärung für 2005 eingereicht, auf Nachfragen aber nicht reagiert. Für 2006 und 2007 legte das Pohl-Präsidium nur vorläufige Jahresabschlüsse bei der Behörde vor, die daraufhin dem Verein die Gemeinnützigkeit für die Jahre 2005 bis 2007 aberkannte. Für 2008 erlangte der Verein diese wieder, und das vor allem, so betonte der Präsident, "dank der Arbeit von Olaf Bernsdorf", der rechten Hand Jünglings im Vorstand, Finanzchef und zuletzt der vermutlich letzte Vertraute, den der Präsident im Verein hatte.
Mit Vorständlern verkracht
Mit weiten Teilen des erweiterten Vorstandes hatte es sich Jüngling vor allem ab Jahresbeginn 2009 gründlich verdorben. Bernsdorf und er verfolgten in grundsätzlichen Dingen des Konzeptes zur künftigen sportlichen Ausrichtung andere Ziele als jahrelange, mit der Szenerie vertraute Vorständler. So wollte Jüngling den Spielern der ersten Männermannschaft in der Landesliga, in die Dessau 05 auf Grund des Insolvenzverfahrens zwangsabsteigen musste (Jüngling: "Das ist die harte Seite der Medaille."), keine Aufwandsentschädigung mehr zahlen. Eine Idee, die andere Vorstandsmitglieder als "unrealistisch" bezeichneten. Zudem wollten sich Jüngling / Bernsdorf vom Trainergespann Dirk Metzker / Martin Stutz trennen, denen es Jüngling nicht verzeihen konnte, dass beide, wie auch mehrere Spieler, auf finanzielle Forderungen nicht verzichteten. Für Jüngling ein Grund, so stellte er es am Mittwoch zumindest dar, weshalb ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren und damit die Vermeidung der Insolvenz scheiterten. Metzker verzichtete auf eine Erwiderung, obwohl es sichtlich in ihm brodelte.
Letztendlich stieß Jüngling auch in der Trainerfrage auf entscheidenden Widerstand der Vorstandsmitglieder, was ihn schließlich dazu bewegte, seinen Rücktritt einzureichen. "Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit und der Autorität", begründete er seine Entscheidung, und sorgte damit bei so manchem der knapp 70 Anwesenden am Mittwoch für verständnisloses Kopfschütteln.
Jüngling konnte sich auch eine spitze Bemerkung in Richtung Stadt nicht verkneifen. So wunderte er sich, dass aus den von Oberbürgermeister Klemens Koschig im Stadtrat öffentlich verkündeten 40 000 Euro Hilfe von den Stadtwerken für Dessau 05 zur Abwendung der Insolvenz "am Ende nur 32 000 Euro wurden. Das ist mit natürlichem Schwund nicht zu erklären. 8 000 Euro sind viel Geld für 05", erklärte er. Dass es sich dabei um öffentliche Gelder handelt und die Stadtwerke keinesfalls helfen mussten, schien Jüngling ausgeblendet zu haben. Zu eskalieren drohte die Veranstaltung beim Tagesordnungspunkt "Entlastung des Präsidiums". Nachwuchstrainer Ulf Schuster, der am 1. Juli für das Präsidentenamt kandidieren will, stellte den Antrag auf Entlastung, informierte die Versammlung aber fairerweise, dass damit "alle anderen bisherigen Präsidenten auch entlastet werden würden". Rechtsanwalt Peter Tippmann, seit Jahren bei 05 für die Rechtsberatung zuständig und von Jüngling durch das Einsetzen von Rechtsanwalt Torsten Kwoczalla als neuen Rechtsbeistand des Vereins brüskiert, gab zu bedenken, dass dann auch Jünglings Vorgänger Hans-Werner Pohl, den viele als Hauptverursacher des Schuldenberges ansehen, aus der Haftung genommen würde, und schlug deshalb vor, mit der Entlastung bis zum tatsächlichen Ende des Insolvenzverfahrens zu warten. Offenbar betrachtete Jüngling diesen Vorschlag als persönlichen Angriff, denn er setzte sich vehement zur Wehr. "Es ist nicht richtig, dass das Präsidium, das den Verein entschuldet hat, nicht entlastet wird", beklagte er sich. Die stimmberechtigten Mitglieder folgten ihm noch einmal und votierten schließlich mit klarer Mehrheit für die Entlastung, womit Jüngling sein vielleicht letztes verbales Gefecht als 05-Präsident gewinnen konnte.
Frage nach dem Schuldigen
Einen alten 05-Haudegen wie Bruno Dzubiel bewegte am Mittwoch ein ganz anderes Thema als die zur Schau getragenen persönlichen Eitelkeiten. "Was ist mit dem vorherigen Präsidenten, der uns das ganze eingebrockt hat? Der kommt einfach so davon?" Eine klare Antwort bekam Dzubiel nicht, nur etwas geheimnisvoll: "Vielleicht muss sich Herr Pohl mal irgendwann dazu äußern, wieso er sich verhalten hat, wie er sich verhalten hat."
Quelle:MZ
