Wechselspielchen in Thalheim

PR Team, 20.07.2012

Wechselspielchen in Thalheim

Fußball-LandesligaUnvermittelter Abschied

VON HOLGER BÄR, 19.07.12, 19:03h, aktualisiert 19.07.12, 21:44h

Dan Lochmann, hier noch in den Farben von Rot-Weiß Thalheim, spielt ab der neuen Saison für Union Sandersdorf. (FOTO: CURUBA)

THALHEIM/MZ. Das letzte Spiel zu Null - André Gehmlich wusste es sofort. "Das 4:0 in Zorbau am vorletzten Spieltag", brachte Thalheims Nummer eins sofort in die Runde.

Da saßen sie nun im kleinen Biergarten vor der Vereinsgaststätte beziehungsweise trudelten nach und nach ein, die Spieler der SG Rot-Weiß Thalheim. Der Landesligist bat am Mittwoch für die Vereine der Region relativ spät zum Trainingsauftakt.

Nach dem 1:1 am 16. Juni daheim gegen den FSV Hettstedt - die Traditionself aus dem Mansfelder Land stieg damit als eine von drei Mannschaften in die Landesklasse ab - gingen die Wege der Kicker auseinander. Sommerurlaub stand an, und dieser war nun vorbei.

Während Cheftrainer René Block arbeitstechnisch fehlte, begrüßte Lutz Weidner als Co-Trainer die Aktiven. Zwei neue Gesichter standen parat. Neben dem 22-jährigen Oliver Kraske aus dem nordsächsischen Glesien - er kickte beim dortigen FSV in der Delitzscher Kreisliga West - sah man da ein im mitteldeutschen Raum äußerst bekanntes Fußballergesicht.

Körperlich noch voll auf der Höhe verpflichteten die Thalheimer Steffen Grosche vom Nietlebener TV Askania. Grosche gilt als gestandener Haudegen, kickte Ende der 90er Jahre im damals legendären Regionalligateam des VfL Halle 96 zusammen mit Marcus Jeckel.

"Wir haben uns fußballerisch später noch einmal getroffen, sind im Sommer 2002 mit dem FC Anhalt Dessau gemeinsam ohne jegliche Saisonniederlage in die Oberliga Nord-Ost aufgestiegen", erinnert sich Grosche an eine sensationelle Serie, welche es bis dato nie wieder in Sachsen-Anhalt gab.

Nun führt der Fußball ihn und Jeckel im respektablen Alter bei den Rot-Weißen abermals zusammen. Grosche vollendet kurz vor Weihnachten sein 42. Lebensjahr, kann und soll den Thalheimern aufgrund der vorhandenen Routine und auch Physis weiterhelfen und vielleicht die strategische Lücke eines nach Bitterfeld abgewanderten Frank Berger schließen.

Ein Dritter im Bunde fehlte zum Auftakt. Sascha Bernet stand zuletzt bei Union Sandersdorf als dritter Torwart im Männerbereich auf dem Tableau und konnte letztes Jahr sogar noch in der A-Junioren Verbandsliga aufgrund des Alters aushelfen.

Fest in dem Glauben, nun in Sandersdorfs zweiter Mannschaft in der Landesklasse Akzente setzen zu können, kam mit Oliver Tomaschewski ausgerechnet aus Thalheim ein weiterer Keeper. Drei Torhüter in der Verbandsliga, zwei in der Landesklasse bei den Sandersdorfern - beide Vereine bastelten an einer Lösung, welche den Torwart suchenden Thalheimern und auch dem aufstrebenden Talent zugute kommt. Nun wird Bernet bei Rot-Weiß mit André Gehmlich um die Position im Tor ringen müssen. Leider fehlte er gerade beim Auftakt aus beruflichen Gründen.

So startete der erste Dauerlauf ins Thalheimer Umland mit ganzen fünfzehn Akteuren. In der Vereinsführung macht man keinen Hehl daraus. Kadertechnisch muss und sollte noch einmal nachgebessert werden. Der Aderlass des Tabellensiebenten des Vorjahres ist allein von den Namen her gewaltig.

Eine komplette Achse kehrte dem Verein den Rücken. Flügelflitzer Christoph Römling (BSV Ammendorf), Verteidiger Oliver Bauer (SV Dessau 05), Stratege und Ballverteiler Frank Berger (VfL Eintracht Bitterfeld) sowie der Kapitän Maik Zimmermann (1. FC Weißenfels) verließen den Sportpark. Hinzu kommen mit Tomaschewski (Union Sandersdorf) und dem lange verletzten Jens Gerhardt (ASG Vorwärts Dessau) zwei Torhüter.

Den Drang, wieder Verbandsligafußball zu spielen, übermannte letztlich auch noch einen weiteren Akteur. Auf kurzem Weg wurde sich Top-Stürmer Dan Lochmann nach langer Überlegungsphase mit Union Sandersdorf einig. Dem in Thalheim die F-Junioren trainierenden Holzweißiger - er markierte nach dem Wechsel aus Wolfen allein in der Rückrunde neunzehn Tore für den Landesligisten - fiel diese Entscheidung verdammt schwer.

Das größte Offensivtalent der Region besitzt jedoch hinreichend Potential, um vielleicht in kurzer Frist noch einen weiteren Karrieresprung machen zu können.

In Thalheim galt er in vorderster Front als der Mann schlechthin und wird eine beachtliche Lücke hinterlassen. Vielleicht können die Verantwortlichen bis kommenden Mittwoch zur anberaumten Pressekonferenz einen annähernden Ersatz für Lochmann präsentieren. Die Initiative wird man jedenfalls ergreifen.


Quelle:MZ