Aufstiegsträume im Umkreis in greifbarer Nähe

Daniel Richter, 11.06.2009

Vereine des Kreises drücken Ferl-Schützlingen Daumen

Krimi Piesteritz oder Halle regionales Gesprächsthema

WITTENBERG/MZ/AR/TT. Im Landkreis Wittenberg stehen am Wochenende Aufstiegspartys auf dem Programm. Kreismeister Blau-Rot Pratau und Kreisligist Allemannia Jessen II haben den Sprung eine Etage höher bereits geschafft, am Sonnabend könnten Verbandsligist FC Grün-Weiß Piesteritz, Landesklassen-Vertreter Jessen und Allemannias "Dritte" (Kreisklasse) folgen.

Hochspannung pur herrscht an der Verbandsliga-Spitze. Tabellenführer VfL Halle 96 hat bei Punktgleichheit lediglich ein Tor auf Verfolger FC Grün-Weiß Piesteritz Vorsprung, selbst Fußball-Landespräsident Werner Georg kann sich nicht erinnern, dass es in den letzten Jahren solch ein Herzschlagfinale gegeben habe. Zudem teilte der FSA-Chef am Mittwoch mit, dass es nach Entscheidung des Sportgerichts bei der 4:0-Wertung des Piesteritzer Auswärtssieges gegen Völpke (der TSV setzte einen gesperrten Akteur ein) bleibe. Für weitere Brisanz könnte folgende Konstellation sorgen: Der FC Grün-Weiß schlägt am Sonnabend im Volkspark Stendal 2:0 und Halle bezwingt Gastgeber Eisleben 3:2. Beide Mannschaften hätten dann je 61 Zähler und 64:29 Tore auf dem Konto. Sollte die Situation wirklich eintreten, greift Paragraph 14 Absatz 1 b der FSA-Spielordnung. Hier heißt es wörtlich: "Ist auch dann noch keine Entscheidung herbeigeführt, werden die Spiele gegeneinander gewertet. Besteht auch dann Punktgleichheit und die gleiche Tordifferenz, entscheidet die größere Zahl der auswärts erzielten Tore." Georg, der am Samstag gegen 16 Uhr mit der Meisterschale in Piesteritz anreist, schmunzelnd: "Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Piesteritz den Aufstieg schafft. Aber Gefühle können manchmal täuschen."

Beim VfL Halle 96 läuft alles auf eine Aufstiegsparty hinaus. Vizepräsident Karsten Slansky: "Wir haben in Halle bereits ein Lokal gebucht. Auch wenn wir es nicht schaffen, gefeiert wird nach dieser tollen Saison trotzdem." Slansky persönlich erwartet, dass sich Stendal "nicht so schnell aufgibt" wie Völpke am letzten Spieltag und traut den Lok-Fußballern durchaus ein Remis in Piesteritz zu. "Wir wollen dem Landesverband zeigen, dass es ein Fehler war, zum Tabellenzweiten zu fahren."

Im Volkspark herrscht derzeit gespannte Zurückhaltung. Schatzmeister Dirk Schmaler: "Nach dem Schlusspfiff gibt es erst einmal Freibier für unsere Fans." Die von Mannschaftsarzt Thomas Winkler seit Jahren organisierte "Nichtabstiegsfeier" könnte bei ihrer zehnten Auflage als Aufstiegsparty in die grün-weiße Geschichte eingehen. Für Schmaler ist der Fall klar: "Halle und Piesteritz gewinnen am Samstag. Die Tordifferenz wird den Ausschlag geben. Ich glaube an unsere Jungs, dass sie es schaffen."

Allemannia Präsident Klaus-Dieter Richter aus Jessen, der am Wochenende mit den Kickern aller drei Mannschaften den jeweiligen Aufstieg bejubeln möchte, meint, dass auch er das Geschehen in der Lutherstadt mit Interesse verfolge. "Da schaue ich ganz bewusst hin. Zum einen kenne ich einige Piesteritzer ganz gut, zum anderen bestehen über unsere Alt-Herren-Abteilung Kontakte zu Grün-Weiß." Klaus-Dieter Richter würde es den Lutherstädtern auf jeden Fall wünschen, aufzusteigen. "Und ich glaube auch, dass sie es schaffen. Ich drücke auf jeden Fall ganz fest die Daumen."

Annaburgs Coach Bernd Müller würde, wenn er dazu Zeit hätte, sogar nach Wittenberg fahren, um sich die Partie persönlich anzuschauen. Dies gehe zwar nicht, weil sein Landesklassenteam zeitgleich das letzte Saisonspiel zu bewältigen hat, "doch es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mich der Krimi in der Verbandsliga nicht interessieren würde". Müller vergisst nicht zu erwähnen, dass das Aufstiegsspiel schon deshalb Interesse in Annaburg erzeugt, da zwei Heidestädter (Marc und Marvin Richter) in den Reihen der Piesteritzer stehen. "Ich bin auf alle Fälle gespannt, wie es am Ende ausgehen wird. Eine Prognose habe ich. Und die lautet Sieg und Aufstieg für den FC. Was ich den Kickern und den Trainern wünsche würde. Denn ein Oberligateam würden die regionale Fußball-Landschaft ungemein aufwerten."


Quelle:MZ