Jessen packt den Aufstieg mühsam und knapp

Daniel Richter, 15.06.2009

Jessen packt den Aufstieg mühsam und knapp

Aufstiegsjubel in Jessen: Es ist ein bemerkenswertes Ergebnis in der Geschichte des deutschen Fußballs

Den Elsterstädtern gelingt der Dreier

 

 

 

Kampf um den Ball
Mit einer so nicht erwarteten Zitterpartie beim Tabellenletzten in Dessau verteidigte die erste Vertretung der Elsterstädter (in Schwarz-Weiß) den Spitzenplatz in der Landesklasse.

JESSEN/MZ. Der Deutsche liebt Statistiken. Auch und gerade im Sport. Als sich vor drei Wochen abzeichnete, dass der SV Allemannia Jessen mit all seinen drei Pflichtspielmannschaften in einer Saison den Aufstieg in den jeweiligen Klassen bewerkstelligen könnte, wurde bereits fleißig damit begonnen, in diversen Fußballstatistik-Analen herumzustöbern. Und rasch wurde klar, dass den Elsterstädtern etwas Besonderes gelungen ist.

Verdacht nachgegangen

Denn in der Geschichte des Wittenberger Kreisfachverbandes ist der Dreier schon mal ein einmaliger Vorgang. Da liegt doch der Verdacht nah, dass dies auf Landes- oder gar Bundesebene auch so sein könnte. Um es vornweg zu nehmen: Die Recherche dazu war aufwendig, nicht alle Ansprechpartner konnten eine konkrete Antwort geben, doch es liegt ein Ergebnis vor. Und dieses lautet wie folgt: Mehrfachaufstiege von Teams eines Vereines in einer Saison sind nicht so selten. Wobei dies zumeist in den unteren Spielklassen oder bei den Senioren der Fall war. Aber: Soweit es sich herausfinden ließ, betraf dies in der Mehrzahl immer zwei Vertretungen. Nur der Fußballverband Mittelrhein teilte mit, dass der SSV Köln-Ostheim 2008 mit allen drei Seniorenmannschaften zum Saisonende den Aufstieg feiern konnte.

Somit scheint eines klar: Einen Dreier, wie ihn die Allemannen jetzt fabrizierten, hat es in der Gesichte des bundesdeutschen Fußballs bereits gegeben. Aber dies passierte bislang wohl eher selten, womit den Jessener doch etwas Besonderes im gesamtdeutschen Maßstab gelungen zu sein scheint. Was am vergangenen Sonnabend ein zusätzlicher Grund war, so richtig zu feiern. Außer den Tatsachen, dass die Erste von der Landesklasse in die Landesliga springt, die Zweite ab der nächsten Saison in der Kreisoberliga kickt und in der Kreisliga die Jessener mit der dritten Mannschaft vertreten sind. Mit einer riesigen Meisterschaftsparty auf der Jahnsportanlage wurden die Titel, die Leistungen der einzelnen Teams und Kicker sowie der Trainer gewürdigt.

Zitterpartie in Dessau

Doch zuvor war großes Zittern angesagt. Ganz großes sogar, und dies ausgerechnet bei der Landesklassenmannschaft, die doch einen scheinbar so leichten Gegner zu bezwingen hatte. Es ging nach Dessau, zu Lokomotive, zum Tabellenletzten. Eine klare Sache würde dies, waren sich viele im Vorfeld sicher. Da bangte man schon eher mit der Dritten, die noch auf einem etwas wackeligen Spitzenplatz stand. Doch während Jessen III in Zahna mit dem 5:1-Erfolg keine Zweifel am zustehenden Aufstieg aufkommen ließ, gerieten Kicker, Trainer, Verantwortliche und Fans beim Spiel in der Muldestadt gehörig ins Schwitzen. Coach Detlef Malskeit bekannte, dass solche Momente durchaus geeignet seien, sich einen Herzinfarkt einzuhandeln. Was seiner Ansicht nach nicht hätte sein müssen. "Doch ich habe diesen gewaltigen Druck meiner Jungs gespürt. Nur ich denke, dass sie sich da selbst zu sehr verrückt gemacht hatten. Sicher, wir wollten uns den Sprung in die Landesliga nicht mehr wegnehmen lassen, und hatten zudem immer im Hinterkopf, dass es nicht ausgerechnet die Erste sein kann, die die Dreifach-Party in Jessen versaut." Trotzdem hätte man nicht so sehr am Schluss um den ersten Platz bangen müssen, "schließlich wissen wir um unser Potenzial".

Aber offensichtlich war der Druck für die Elsterstädter nicht so einfach zu bewältigen. Zwar besaß der Spitzenreiter in der ersten Hälfte drei, vier gute Chancen, nur zappelte eben das Leder nicht im Netz. Im Gegenteil, es war das Tabellenschlusslicht, das die Allemannia mit dem Treffer zum 1:0 in der 71. MInute beinahe schockte. Dies glücklicherweise aber nur kurz. Manuel Eckert war es, der die Elsterstädter zurück in das Spiel brachte. Und dies rasch. In der 76. Minute knallte er den Ball zum 1:1-Ausgleich in die Maschen.

Den Ruck gespürt

"In diesem Moment habe ich gemerkt, wie der berühmte Ruck durch die Mannschaft ging, jetzt wollten wir den Siegtreffer", so Malskeit, der er sich dann fast ersparen konnte, die Truppe persönlich vom Spielfeldrand aus nach vorn zu peitschen. Die Spieler kämpften, rackerten, und wurden am Ende belohnt. Maik Weimann avancierte am Sonnabendnachmittag zum Held des Tages, als sein Kopfball den Weg zum 1:2 in das Gehäuse der Dessauer fand. Das passierte in der 87. Minute und im Grund genommen hätte man die Partie in diesem Moment abpfeifen können. Lok Dessau hatte nichts mehr entgegenzusetzen. Weder dem kämpferischen Vermögen des Tabellenführers noch dem lautstarken Freudentaumel, der mit dem Treffer einsetzte.

Die telefonische Information über den wichtigen Sieg in Dessau kam just in dem Moment in Jessen ein, als dort bereits die ersten Liter Bier über Köpfe und durch Kehlen flossen. Der künftige Kreisoberligist hatte seine letzte Partie gegen Pretzsch standesgemäß mit 2:1 gewonnen und bestätigte damit seinen schon seit einer Woche feststehenden Wechsel in die nächst höhere Klasse. Nur kurze Zeit später rollte der Bus mit der Dritten vor, die sich bereits auf dem Weg von Zahna nach Jessen auf die bevorstehende große Party einstimmte.

Mitten im am Abend immer größer werdenden Gewusel war ein leicht heiserer Allemannia-Präsident Klaus-Dieter Richter anzutreffen. Der ob des Krimis in Dessau kurz vor der Ohnmacht gestanden hatte, aber zugleich eine erste wichtige Personalie markierte. "Wir wollen Detlef Malskeit als Trainer der Ersten unbedingt behalten", bekräftigte der Chef der Schwarz-Weißen. Sorgen muss sich Richter diesbezüglich nun keine mehr machen. Sein Wunschtrainer bleibt nämlich, Detlef Malskeit hat dies während der Meisterschaftsfeier mitgeteilt. "Wir gehen zusammen in die Landesliga."


Quelle:MZ