Dessau-Roßlau gegen Wolfsburg
Daniel Richter, 10.07.2009
Germania Roßlau und Dessau 05 treten am Sonntag mit einem Team gegen den VfL Wolfsburg an^
Mit vereinten Kräften dabei

Links die 05er, rechts die Roßlauer: mittendrin die beiden Trainer und Dessau-Roßlaus Sportchef Ralph Hirsch. In diesen neuen Trikots will das gemeinsame Team am Sonntag, 14 Uhr, dem Deutschen Meister VfL Wolfsburg Paroli bieten.
DESSAU-ROSSLAU/MZ. Die Diskussion um eine Bündelung der Kräfte im Dessau-Roßlauer Fußball flammte in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren immer mal wieder auf, ohne aber konkrete Ergebnisse hervorbringen zu können. Die Folgen waren dramatisch: Zwei Vereine (FC Anhalt Dessau und Dessau 05) bezahlten den Versuch, es allein in der damals vierthöchsten Spielklasse Oberliga zu schaffen, mit Insolvenzverfahren. Der FC Anhalt verschwand völlig von der Bildfläche, während 05 nur mit Mühe und Not das Aus für den Verein verhinderte. Der Zwangsabstieg aus der höchsten Landesspielklasse war ein hoher Preis dafür. Der Dessau-Roßlauer Fußball ist ab kommenden Saison deshalb nur noch siebentklassig.
Am kommenden Sonntag könnte ein neues Kapitel des Themas aufgeschlagen werden. Germania Roßlau und Dessau 05, als Landesligisten die beiden höchstklassigsten Mannschaften der Stadt, formieren ein gemeinsames Team, das ab 14 Uhr im Paul-Greifzu-Stadion auf keinen geringeren als den amtierenden Deutschen Meister VfL Wolfsburg trifft.
Die neuerliche, moderne Auflage des Kampfes zwischen David (Germania / 05) und Goliath (Wolfsburg) bestreiten die Außenseiter also mit vereinten Kräften. "Wir wollen nicht zweistellig verlieren und nach Möglichkeit selbst ein Tor schießen", sind sich die beiden Trainer Lutz Wilke (Germania) und Dirk Metzker (05) einig. Jeweils acht Spieler jedes Vereins bilden das Team dieser Dessau-Roßlauer Spielunion, die im Look des italienischen Champions Inter Mailand die Wolfsburger zumindest optisch auf die bevorstehende Champions League einstimmen kann.
Ein gemeinsames Training der 16 Auserwählten war vorab nicht mehr möglich. Beide Vereine stecken mitten in der Saisonvorbereitung und haben ausgefüllte Terminkalender. "Wir können doch alle Fußball spielen, einige haben früher auch zusammen gespielt", sieht Roßlaus Christian Fräßdorf in der Abstimmung auf dem Rasen nicht wirklich ein Problem. Zumal beide Mannschaften auch das gleiche Spielsystem haben und gegen Wolfsburg in einem vertrauten, aber natürlich deutlich defensiver ausgerichteten 4-4-2 agieren werden. "Wir als Trainer werden ein oder zwei taktische Sachen vorgeben, mehr nicht", so Metzker, der früher selbst unter Wilke in Roßlau spielte. "Wir kennen uns beide schon sehr lange."
Den Spielern ist die Vorfreude auf das Match gegen Wolfsburg anzumerken. Dessau-Roßlaus Sportdirektor Ralph Hirsch hofft auf 3 000 bis 4 000 Zuschauer. "Das ist doch für uns alle ein Erlebnis, vor solch einer großen Kulisse zu spielen", sagt Roßlaus Jens Görisch.
Zur tragischen Figur wurde im Vorfeld allerdings Germania-Kapitän Torsten Kopocz. Eine im Training erlittene Verletzung verhindert die Teilnahme des Abwehrchefs, der sowohl für 05 und Germania spielte und als Kapitän die Stadtauswahl auf das Feld führen sollte. "Das tut mir sehr leid für ihn", zeigt Trainer Lutz Wilke Mitgefühl mit Kopocz.
Die Fans dürften trotzdem gespannt darauf sein, wie schlagkräftig diese gemeinsame Mannschaft von Germania und Dessau 05 sein wird - und ob es eine Signalwirkung für die Zukunft hat. "Wir als Stadt können nur für die Rahmenbedingungen sorgen, und die sind in Dessau-Roßlau gut. Alles weitere muss von den Vereinen kommen", betont Hirsch. Der Sonntag könnte durchaus der erste Schritt auf einem langen Weg in eine erfolgreichere Zukunft des Dessau-Roßlauer Fußballs sein. Egal wie die Partie ausgeht.
Eintrittskarten für das Spiel sind noch an der Tageskasse erhältlich.
Quelle:MZ
