BENEFIZSPIEL mit F. Mill und U. Seeler am SO u mit R.Wieseg.
PR Team, 04.09.2013
Ohne eine Partie Titelträger
BENEFIZSPIEL Weltmeister Frank Mill läuft Sonntag mit Seeler-Traditionself auf.
VON ANDREAS RICHTER
WITTENBERG/MZ - Keine Spur von Weltmeisterallüren sind zu spüren, wenn man mit Frank Mill telefoniert. Man hat zwar Glück, die Nummer des Fußball-Weltmeisters von 1990 zu erhalten. Aber wenn es um eine gute Sache geht, hat der 1958 in Essen geborene Kicker keine Probleme, die Zahlenkombination herauszurücken. Beim Gespräch ist er völlig unkompliziert.
Gastgeber verrät nur wenig
Wenn man hingegen bei Organisator FC Grün-Weiß Piesteritz fragt, wer denn am Sonntag zum Team der Uwe-Seeler-Traditionself gehört, die ab 11 Uhr das Benefizspiel in der Lutherstadt bestreitet, erfährt man nicht viel. Zu den wenigen Namen, die Geschäftsführer Ingo Mattheuer im Vorfeld preis gibt, gehört der von Mill. Wohl deshalb, da er zur Garde der Weltmeister zählt, die über den Rasen des Volksparkes laufen werden. Dies passiert sogar bei den Piesteritzern nicht aller Tage.
Frank Mill selbst kommt in wenigen Tagen nicht das erste Mal in die Wittenberger Region. Vor drei Jahren spielte er mit der Seeler-Truppe schon mal bei Graf Zeppelin Abtsdorf. Dort wurde 2010 das sanierte Vereinsheim seiner Bestimmung übergeben, und über 2 000 Zuschauer ließen sich die zu der Feier extra eingeladenen früheren Profis nicht entgehen. 10:4 setzten sich die Gäste übrigens damals durch. Über das Ergebnis am kommenden Sonntag spekuliert Mill vor dem Anstoß nicht. "Nicht verlieren, zeigen, dass man als alter Mann noch was auf dem Kasten hat, aber vor allem Spaß haben ist mein Motto", erzählt er gut gelaunt am Telefon. Seit 15 Jahren ist er mit der Traditionself unterwegs. "Da sammeln sich die Spiele im Laufe eines Jahres schon ziemlich an." Er rechnet kurz durch, auf 32 kommt er für die Saison 2013. "Das ist aber gut für mich. Ich bin raus aus dem Alter der jungen Spunde, da muss ich in Bewegung bleiben, damit die Gelenke noch möglichst viele Jahre gut mitmachen." Bei der Frage, wo er denn auf dem Platz zum Einsatz kommt, lacht Mill herzlich. "Da hat Uwe bei mir keine großen Auswahlmöglichkeiten. Ich muss links vorn lostürmen." Was anderes habe er nicht gelernt und als Profi gemacht. "Stell mich hinten vor das Tor, da geht die Sache schief. Und das wollen wir ja nicht."
Schon als Sechsjähriger streifte sich Frank Mill die Fußballschuhe über. Bei Rot-Weiß Essen begann in der Serie 1976/77 seine Karriere als Bundesligaprofi. In der absolvierte er 387 Spiele, traf dabei 123 Mal das Tor. Doch nicht nur national war Mill eine Größe. Er bestritt 19 Länderspiele, gewann mit Deutschland 1988 Bronze bei den Olympischen Spielen in Seoul (Südkorea), gehörte bereits vier Jahre zuvor in Los Angeles der Olympiaauswahl an. Der größte Triumph war jedoch der Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1990. Aber bescheiden wie er sich gibt, sagt der Fußballer selbst, "dass ich eigentlich gar kein richtiger Weltmeister bin". Mill gehörte zwar dem Team an, wurde aber von Trainer Franz Beckenbauer bei den Wettkämpfen in Italien nicht ein einziges Mal aufgestellt.
Darüber kann er heute schmunzeln, "auch wenn das damals ein bisschen bitter war. Aber über den Titel habe ich mich trotzdem irre gefreut", erinnert er sich lebhaft. Heute genießt er seinen guten Ruf und die Möglichkeit, neben seiner Arbeit mit der Kids-Active-Fußballschule durch die Partien der Traditionself den Kontakt zu früheren Teamkollegen, aber vor allem zu den Fans zu halten. "Ja, es hat was, wenn man immer noch angefeuert wird und der Gegner versucht, einen auszutricksen."
Fußballzauber soll helfen
Mal sehen, wem dies am Sonntag in Piesteritz gelingen kann. Hoffentlich viele Zuschauer werden sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Denn bei allem Fußballzauber, es geht um einen ernsten Anlass. Nämlich darum, möglichst viel Geld für die Hinterbliebenen der Opfer des SKW-Unglücks vom September 2012 zusammenzubekommen. Geld ersetzt zwar kein Menschenleben, so FC-Geschäftsführer Ingo Mattheuer, aber es kann das Leid etwas abmildern.
TICKETS
Auch der FC-Vorstand hat Karten gekauft
Noch bis Freitag läuft der Kartenvorverkauf für das Benefizspiel. Zum einen können Interessierte täglich während der üblichen Öffnungszeiten Karten im Wittenberger E-Center erwerben. Zusätzlich bietet der FC nochmals am Donnerstag von 18 bis 19 Uhr dazu die Möglichkeit direkt in den Räumen der Geschäftsstelle im Volkspark.
Im Vorverkauf liegen die Preise bei zehn Euro für Erwachsene, Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren zahlen fünf. An der Tageskasse sind dann zwölf beziehungsweise sieben Euro zu entrichten. Der FC bittet noch einmal alle Vereinsmitglieder um Verständnis, dass auch sie diese Preise für die Partie zu zahlen haben. Ingo Mattheuer, Geschäftsführer des FC: "Selbst der gesamte Vorstand hat wie alle anderen auch Karten erworben."
Wie Mattheuer dieser Tage außerdem verriet, wird das Benefizspiel um 11 Uhr mit einem Ehrenanstoß eröffnet. Auf der einen Seite wird dafür Uwe Seeler bereit stehen. Der Name seines Gegenübers wird allerdings (noch) nicht verraten. AR
Quelle:MZ
