Möhlau feiert groß

PR Team, 06.09.2013

Möhlau feiert groß

Möhlau feiert groß

JUBILÄUM Seit über 100 Jahren jagen Kicker aus dem Ort organisiert dem Fußball hinterher. Und seit 60 Jahren passiert dies im eigenen Stadion. Das Kreisoberligateam gratuliert mit dem Landespokalspiel zum Geburtstag.

VON THOMAS TOMINSKI UND ANDREAS RICHTER

MÖHLAU/MZ - Der Sportverein Glückauf Möhlau feiert am Freitag und Sonnabend einen runden Geburtstag. Das Glückauf-Stadion, das etwa 2 500 Besuchern Platz bietet und vor allem Heimstatt für Fußballer ist, wird stolze 60 Jahre alt.

"Rund um das Fußball-Landespokalspiel gegen Oberligisten VfL Halle 96 steigt die große Party", erzählt Hans-Jürgen Eiserfey, der sich im Verein um das Management kümmert. Genau genommen wird das Jubiläum sogar ein paar Tage zu spät gefeiert, denn die Einweihung des Sportplatzes erfolgte am 1. September 1953.

Der Startschuss zur Party fällt am Freitagabend. Ab 18.30 Uhr messen die Alten Herren in einem Dreierturnier ihre Kräfte. Das All-Star-Team von Aktivist Möhlau fordert die Glückauf-Oldies und die Elf der Stadtwerke Leipzig heraus.

Während auf dem Platz der Ball rollt, wird zeitgleich eine Ausstellung, welche zum einen mit historischen Relikten des DDR-Oberliga-Fußballs und zum anderen der Möhlauer Vereinshistorie aufwarten wird, im Sportforum eröffnet. Außerdem beleuchtet die Schau die Geschichte des Ortes Möhlau, neben anderem dargestellt mit Fotos und historischem Filmmaterial. Um 20 Uhr beginnt auf der Waldbühne der Tanzabend.

Böhning kompetenter Zeitzeuge

Eiserfey ist froh, dass er bei seinen Recherchen rund um das Stadion mit Manfred Böhning (Jahrgang 1932) einen kompetenten Zeitzeugen gefunden hat, der viele Kenntnisse über die Geschichte des Vereins besitzt. Böhning fing 1946 als Schüler mit dem Fußball an, hielt Möhlau die Treue und machte 1979 im Alter von 47 Jahren sein letztes Punktspiel in der ersten Mannschaft. In seiner Karriere hat Böhning die Fußballschuhe dreimal an den Nagel gehangen. Auf Drängen seiner Teamkollegen hat er sie aber auch dreimal dort wieder abgenommen. In den 1980er Jahren ging er immerhin noch für die zweite Mannschaft und die Alten Herren auf die mögliche Torejagd. Laut seinen Erinnerungen wird in Möhlau seit über 100 Jahren organisiert Fußball gespielt. Es gab in den drei Ortsteilen (Kleinmöhlau, Großmöhlau, Golpa) nach dem 2. Weltkrieg gleich vier Fußballplätze. Als Vereine zählt er den "Arbeitersportbund", der auf dem Platz am "Roten Haus" kickte, und die BSG Aktivist Golpa, die damals schon auf dem Sportplatz am jetzigen Standort zu Hause war, auf. In der Saison 1952/53 wichen die BSG-Kicker aufgrund des Stadionneubaus auf einem anderen Platz aus.

Dass überhaupt gebaut wurde, lag an der Zuordnung der BSG zum Braunkohlenwerk Golpa. Dessen damaliger Direktor Gustav Bindernagel war ein echter Fußballfan, den es ärgerte, dass die Jungs nur auf einem einfachen Rasenplatz unterwegs waren. Gedacht und umgesetzt, hieß dann das Motto. Und die Möhlauer gingen gleich praktisch zu Werke. Nicht nur Fußballer, sondern auch andere Ballsportler und Leichtathleten konnten das neue Areal nutzen. Mit der Einweihung am 1. September 1953 bekamen die Sportler daher ein kombiniertes Fußball- und Leichtathletikstadion mit Aschenbahn, Weitsprung-Gruben und Trainingsplatz präsentiert. Als erste durften jedoch am Tag der Eröffnung die Fußballer rauf. Sie bestritten nicht nur zwei Einweihungspartien, sondern bekamen durch den Neubau offensichtlich so viel Elan, dass sie mit Ende der Saison 1953/54 sofort den Aufstieg in die Bezirksklasse B bewerkstelligten, wiederum ein Jahr danach waren die Möhlauer in der Bezirksklasse A angekommen. In der Zeit bis zur gesellschaftlichen Wende 1989/90 hatten die Kicker eine Heimstatt, in der man nicht nur spielte, sondern die es auch zu pflegen galt. Jahrzehntelang wurden Geld und Mühen in den Unterhalt investiert.

Schafe grasen im Stadion

Nach 1989 stand die Zukunft des Areals auf der Kippe. Der Nachfolgeträger des Braunkohlenkombinates Bitterfeld, die Mibrag (das Bitterfelder Kombinat war nach der Auflösung des Golpaer Braunkohlenwerkes die betriebliche Heimstatt der Fußballer zu DDR-Zeiten), wollte die Sportstätte nicht weiter unterhalten und bot sie der Gemeinde zum Kauf an. Dieses Angebot wurde zunächst durch die damaligen Gemeindevertreter ausgeschlagen.

Dies hatte zur Folge, dass erst einmal gar nichts mehr passierte. 1993 und 1994 grasten sogar Schafe auf dem Stadiongelände. Die Möhlauer Kicker wichen aus, 1994 sogar nach Zschornewitz. Mit der dortigen Turbine-Truppe war eine Spielgemeinschaft gegründet worden, die allerdings auch nur ein Jahr lang Bestand hatte.

Doch ausgerechnet diese Trennung war es, die den Ausschlag gab, das Möhlauer Stadion zu neuem Leben zu erwecken. Beherzte und engagierte Möhlauer Bürger sowie neue Mitglieder des Gemeinderates entschieden sich dafür, das Gelände zu kaufen. 1997 wurden mit Fördermitteln des Bundes das Außengelände, die Straßenanbindung und Parkplätze neu gestaltet.

Heute wird das Stadion von vielen als eines der schönsten zwischen Wittenberg und Gräfenhainichen bezeichnet. Damit das so bleibt, gilt es, das Schmuckstück weiter zu pflegen. Der heutige Ortschaftsrat und die Abteilung Fußball des SV kümmern sich engagiert darum. Und auch in Zukunft wird das so bleiben, ist sich Hans-Jürgen Eiserfey sicher.

 

Stimmungsbarometer steigt stündlich

HÖHEPUNKT Möhlauer Kreisoberligamannschaft erwartet Oberligisten VfL Halle.

MÖHLAU/MZ/TT/AR - Mit dem Einzug in das Fußball-Kreispokalfinale der vergangenen Saison war bereits klar gewesen, dass Glückauf Möhlau bei der ersten Runde des Landespokalwettkampfes 2013/14 mit dabei sein wird. Grund: Finalgegner FC Grün-Weiß Piesteritz II kann bei diesem nicht starten, da bereits die Erste aus dem Volkspark bei dem Wettbewerb vertreten ist. Und so stieg bereits im Juni trotz der 2:5-Niederlage gegen Piesteritz II die Vorfreude auf das Ereignis.

Zufälliger- aber passenderweise wird am Sonnabend dieses Spiel ausgetragen und avanciert so zum Höhepunkt des Geburtstagswochenendes. Dass man dabei mit Gegner VfL Halle 96 eine kaum zu überspringende Hürde vor sich hat, trübt die Pokalstimmung keineswegs. Die Saalestädter sind schließlich in der Oberliga unterwegs. Aber: Ganz unvorbereitet gehen die Jungs von Trainer Raik Klinowsky das Abenteuer Landespokal auch nicht an. Im Vorfeld der Begegnung haben sich "Spione" die Partie des VfL bei dessen 2:1-Sieg gegen den FC Grün-Weiß Piesteritz im Volkspark angesehen.

"Ein ganz harter Brocken kommt da auf uns zu", lautet nicht nur die Einschätzung von Hans-Jürgen Eiserfeys, der den Schwarz-Gelben aus Möhlau wie die meisten anderen nur Außenseiterchancen einräumt. "Unsere Kreisoberliga-Mannschaft wird aber alles geben. Und wer weiß, vielleicht erwischt Halle ja einen schwarzen Tag und kommt ausgerechnet bei uns ins Stolpern", sagt er und drückt am Samstag ab 15 Uhr die Daumen.


Quelle:MZ