Beim Fachverband Anhalt hagelt es übermäßig Rot oder GR
PR Team, 24.10.2013
Spiele stehen vorm Abbruch
FUSSBALL Beim Fachverband Anhalt hagelt es übermäßig Rot oder Gelb-Rot.
VON ANDREAS RICHTER
WITTENBERG/MZ - Der Fußball-Kreisfachverband Anhalt (KFV) hat reagiert. Nachdem am Wochenende eine Flut an Roten und Gelb-Roten Karten (zehn allein in der Kreisoberliga) bei den Partien des neunten Spieltages verteilt werden mussten und sogar wieder Spielabbrüche in der Luft lagen, hat sich der KFV auf seiner Homepage an die Vereine gewandt.
Appell an die Fairness
In der Erklärung heißt es neben anderem: "Fairness im Sport bedeutet, die Spielregeln einzuhalten und ein anständiges und gerechtes Spiel zu führen. Wut, Aggressionen und Gewaltattacken haben nichts mit dem Fußball zu tun. Leider kommt es in den Stadien, egal auf welcher Ebene, immer wieder und auch immer öfter zu unschönen Fouls, Rudelbildungen und eben auch zu Tätlichkeiten. Diese Entwicklung ist besorgniserregend. Es muss alles getan werden, damit sie sich nicht fortsetzt. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss damit rechnen, hart bestraft zu werden."
Schöne Worte, nur ist das Wochenende mit all den unschönen Vorfällen nun einmal passiert und wird so in Erinnerung bleiben. Rückblick: In der Kreisoberliga wurden zehn Spieler vom Schiedsrichter vorzeitig zum Duschen geschickt, sieben davon sahen glatt Rot. Einige Partien hätten kurz vorm Abbruch gestanden. In der Kreisliga Anhalt gab es zusätzlich drei Platzverweise, einmal Rot und zweimal Gelb-Rot.
Allein im Kreisoberligaspiel Coswig gegen Vorwärts Dessau hagelte es vier Platzverweise, drei davon für Dessau. Bei der Partie Dessauer SV 97 gegen den BSV Deetz/Lindau gab es "nur" zwei Platzverweise, einen für jede Formation. Vier Kicker wurden beim Duell der SG Jeber-Bergfrieden/Serno gegen den FSG Walternienburg/Güterglück vorzeitig vom Rasen geschickt.
Neu sind solche Probleme nicht. Schon in der vergangenen Saison musste sich der KFV mit Tätlichkeiten, Roten Karten, Spielabbrüchen beschäftigen. Ein Beispiel: Im Mai diesen Jahres wurde das Coswiger Lerchenfeld zum Tatort. Schiedsrichter Wolfgang Weiß brach die Kreisligapartie zwischen den Reserven von Coswig und Rodleben in der 60. Minute ab. Der Staatsschutz ermittelte hinterher, da es neben körperlichen Auseinandersetzungen und Spuckattacken auch zu ausländerfeindlichen Äußerungen gekommen war.
Detlef Barth, Präsident des Anhalter Kreisfachverbandes, gefällt es trotz dieser Vorfälle nicht, wenn man von einem Problemfall Kreisfußball spricht. "Nein, das ist nicht der Fall. Es ist unschön, was passiert ist. Aber bisher verlief die Saison ruhig, die jüngsten Vorfälle sollten nicht aufgebauscht werden." Eine Debatte über drastische Sofortmaßnahmen sei nicht nötig. Er setzt darauf, dass die Vereine ihre Lehren ziehen. Zu den Partien erlaubt sich Barth kein Urteil. "Ich habe keine persönlich gesehen, ich warte wie alle ausstehende Berichte und im Einzelfall die Entscheidungen des Sportgerichts ab."
Nicht die Gesamtsituation
Timo Stenke, Vorsitzender Schiedsrichterausschuss, warnt davor, aus dem einen Wochenende Rückschlüsse auf die Gesamtsituation zu ziehen. "Bisher haben wir eine Serie erlebt, die denen der Vorjahre gleicht. Nun ist es so, dass die Vorfälle geballt an einem Spieltag passierten. Dies ist nicht zu akzeptieren, aber das bedeutet keineswegs, dass es bei uns auf den Plätzen drunter und rüber geht." Zu den Geschehnissen bei den einzelnen Begegnungen kann Stenke keine genauen Angaben machen. Die Berichte liegen noch nicht vor. Fest steht, dass eine Partie vor dem Abbruch stand, und zwar die in Coswig. "Ich habe die Kenntnis, dass Vorwärts Dessau in der 75. Minute geschlossen vom Rasen gehen wollte, man war offensichtlich nicht mit der Schiedsrichterleistung zufrieden."
Thomas Hillienhoff, Fußball-Abteilungsleiter bei Coswig, bestätigt dies. Vorausgegangen seien Diskussionen der Dessauer nach Entscheidungen des Unparteiischen. "Der Gegner fühlte sich nach der Pause mehrfach benachteiligt und hat dann aus meiner Sicht den Fehler gemacht, mit Diskussionen anzufangen. So kam das Ganze ins Rollen. Wie ich finde, vollkommen unnötig."
Eines macht Timo Stenke indes klar: "Die Vorgänge verharmlost niemand bei uns. Daher haben wir uns als KFV auch mit dem Internetaufruf an die Vereine gewandt." Ein waches Auge werde man haben, ohne eine "Dauerüberwachung" einzurichten. "Die Clubs sind gefordert, sich damit zu beschäftigen" so Stenke.
FAIRNESSTABELLE
TSV Mosigkau sieht bislang nur Gelb
Interessant ist derzeit der Blick auf die Fairnesstabelle der Kreisoberliga Anhalt. Dort hat sich der TSV Mosigkau an die Spitze gesetzt. Die TSV-Fußballer haben bislang 15 Gelbe Karten gesammelt. Beim Thema Gelb-Rote oder Rote Karten kann Mosigkau eine weiße Weste vorweisen.
Genauso wie Chemie Rodleben (2.) und die SG Oranienbaum-Wörlitz (3.), die ebenfalls noch keinen Platzverweis auf ihrem Konto haben. Chemie kommt auf 16, die SG auf 20 Gelbe Karten.
Von den am Wochenende in die Vorfälle mit involvierten Vereinen rangiert neben anderem Vorwärts Dessau auf Platz elf. 20 Mal Gelb, zweimal Gelb-Rot und einmal Rot kassierten die Muldestädter bisher. Blau-Rot Coswig ist momentan 13. Die Bilanz der Coswiger lautet: 20 Mal Gelb und je zweimal Gelb-Rot und Rot.
Am Ende der Fairplay-Tabelle der Kreisoberliga steht momentan die FSG Walternienburg/Güterglück. 26 Gelbe, eine Gelb-Rote und drei Rote Karten gab es. AR
Quelle:MZ
