Jessen durchlebt schwere Zeiten.Bald wird ein neuer Vorstand
PR Team, 15.01.2014
Der Chef geht - Sorgen bleiben
INTERVIEW Jessen durchlebt schwere Zeiten. Bald wird ein neuer Vorstand gewählt.
JESSEN/MZ - Der Fußball in Jessen durchlebt aktuell schwere Zeiten. Vom Abstieg bedrohte Mannschaften, personelle Sorgen, die Suche nach neuen Ideen; das einstige Fußball-Flaggschiff der Jessener Region schlingert mächtig. Und nun steht noch ein personeller Umbruch in der Führungsriege bevor. Über all diese Themen unterhielt sich MZ-Mitarbeiter Andreas Richter mit Klaus-Dieter Richter, dem Präsidenten des Vereins.
Jessen hat schon glanzvollere Zeiten auf dem Rasenplatz gehabt. Erlebt der Fußball an der Schwarzen Elster gerade eine böse Talfahrt?
Richter: Ja, dieser Eindruck täuscht nicht, leider. Wir müssen wohl alle, auch die Fans, akzeptieren, dass speziell bei den Erwachsenen die ganz großen Erfolgszeiten erst einmal vorbei sind. Ich sage aber ebenso bewusst, dass man nicht nur auf Tabellenstände schauen darf. Denn auch wenn es in einigen Ligen nicht rund läuft, der Fußball in Jessen lebt.
Fußball ist aber nun einmal ein leistungsorientierter Sport. Und wenn man sich allein die Lage beim Landesklassenteam betrachtet, ist den meisten nach Heulen zumute. Sind die Probleme Ergebnis einer verfehlten Strategie?
Richter: Was heißt verfehlte Strategie? Wenn uns Kritiker vorwerfen, dass wir eine falsche Personalpolitik betreiben, mag das aus deren Sicht stimmen. Aus unserer nicht. Denn es bleibt dabei, dass wir nicht den Weg wie andere Vereine gehen und uns Spieler einkaufen. Unser Konzept setzt auf den eigenen Nachwuchs, wenngleich wir uns natürlich nicht Anfragen auswärtiger Kicker verschließen.
Heißt das dann im Umkehrschluss, dass das Potenzial derzeit nicht vorhanden ist, um in der Landesklasse zu bestehen?
Richter: Vielleicht. Ich glaube allerdings fest daran, dass Jessen auch in der nächsten Saison in der Landesklasse spielt. Reicht es wirklich nicht, müssen und werden wir damit leben. Es dauert offensichtlich doch länger als gedacht, den personellen Aderlass der vergangenen drei Jahre aufzufangen. In der Breite sind wir gut aufgestellt. Es fehlt aber sichtbar an den nötigen Talenten, die die Mannschaft tragen und mit zum Erfolg bringen.
Es ist also auch nicht mit personellen Verstärkungen in der Winterpause zu rechnen?
Richter: Mit Toni Dillan ist ein bekannter Spieler aus Elster zurückgekehrt. Dann laufen noch Gespräche mit zwei Kickern. Mehr passiert aber aktuell nicht.
In dieser schwierigen Situation stehen am 21. März die Neuwahlen des Vorstandes an. Und da deutet alles auf personelle Veränderungen im Führungsgremium hin. Heißt der Präsident weiter Klaus-Dieter Richter?
Richter: Nein, ich stelle mich nicht mehr der Wiederwahl.
Verlässt jetzt etwa der Kapitän das sinkende Schiff?
Richter: Auf keinen Fall hat meine Entscheidung mit den derzeitigen Sorgen zu tun. Es steht seit längerem fest, dass ich nach acht Jahren nicht mehr kandidiere. Ich habe 2006 betont, dass ich nur als Übergangspräsident zur Verfügung stehe. Jetzt ist es an der Zeit, Platz für Jüngere zu machen. Ich werde ja auch immer älter.
Wollen auch andere gehen?
Richter: Wir haben einige Vorstandsmitglieder, die sich wohl wie ich nicht mehr der Wiederwahl stellen. Aber es obliegt jedem selbst, nicht mehr zu kandidieren. Ich werde keine Namen nennen, es bleibt den Betreffenden überlassen, wann sie ihre persönliche Entscheidung öffentlich mitteilen.
Sie sprechen von neuen Ideen, die der künftige Vorstand offerieren soll. Es fehlen also doch Ideen, wie man künftig bestehen will?
Richter: Ja und nein. Der grundsätzliche Weg der Allemannia steht fest. Auch in 20 Jahren soll es den Verein geben, der allen Fußballinteressierten in und um Jessen herum offen steht. Aber der SV muss auf Entwicklungen anders reagieren. Eine der Kernaufgaben wird es sein, bei der Suche nach Sponsoren andere Wege zu verfolgen. Es ist schwer, die finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen. Zum anderen wünsche ich mir, dass sich junge Spieler wieder mehr mit ihrem Verein verbunden fühlen. Und dann wird man nicht herum kommen, Kräfte zu bündeln.
Dies heißt?
Richter: Gerade kleinere Vereine haben zunehmend Probleme, zu bestehen. Der Trend im ländlichen Raum geht in die Richtung Vereinsfusionen. Darauf muss man bei der Allemannia vorbereitet sein.
Was macht Klaus-Dieter Richter nach dem 21. März?
Richter: Mein Privatleben genießen, ohne aber den Fußball zu vergessen. Ich stehe dem Vorstand weiterhin mit meinen Erfahrungen und Kontakten zur Seite. Außerdem halten Stadtrat, dessen Mitglied ich bin, seine Ausschüsse sowie meine Partei noch genügend ehrenamtliche Arbeit bereit.
AKTUELLE SITUATION
15 Mannschaften beteiligen sich am Spielbetrieb
Allemannia Jessen lässt in dieser Meisterschaftsserie 15 Mannschaften im Erwachsenen- und Nachwuchsbereich um Tore und Punkte kämpfen.
Die Fußballer sind jedoch weit von früherer Topform entfernt. Die Erste, Aushängeschild des Vereines, ringt in der Landesklasse um das Überleben. Als Tabellenvorletzter (15.) ist die Formation akut vom Abstieg bedroht. Die Kreisoberliga-Kicker des Vereins stehen noch schlechter da. Sie sind derzeit Besitzer der roten Laterne (16.). Ein wenig besser sieht es bei den Herren, die in der dritten Mannschaft (Kreisliga, Staffel Nord) unterwegs sind, aus. Sie sind von zwölf Formationen derzeit viertbester des Klassements.
Im Kreisfachverband Anhalt-Bitterfeld müssen sich die Kreisliga-Fußballerinnen, die mit Dabrun eine Spielgemeinschaft bilden, bewähren. Sie haben in den Vorjahren viele Erfolge gefeiert. Sowohl in der Halle als auch auf dem Rasen lief es immer bestens. In der Saison 2013/14 hat man offensichtlich noch nicht den richtigen Rhythmus gefunden. Die eigentlich zum Saisonstart als Titelaspiranten gehandelten Damen überwintern auf dem fünften Tabellenrang. Bei neun Mannschaften in der Liga ist das kein Traumplatz. AR
Quelle:MZ
