Null Toleranz nach Tätlichkeit
PR Team, 25.03.2014
Null Toleranz nach Tätlichkeit
FUSSBALL Einheit Wittenberg sperrt faustschlagenden Spieler sofort für acht Partien.
VON ANDREAS RICHTER
WITTENBERG/MZ - Statt dem runden Leder nachzujagen, flogen am Sonntag bei der Fußball-Kreisoberligapartie Einheit Wittenberg - SV Graf Zeppelin Abtsdorf in der zweiten Halbzeit die Fäuste.
Nach Foul ausgetickt
Sonntagnachmittag, Ligaprimus Graf Zeppelin Abtsdorf spielt bei Einheit Wittenberg. Der Tabellenerste führt bereits 2:0, als in der 60. Minute der Abtsdorfer Marco Ziege Einheit-Spieler Germain-Christopher Redel foult. Der Schiedsrichter sieht das Foul nicht, greift nicht zur Pfeife. Und da passiert es. Redel tickt aus, schlägt Ziege mit der Faust ins Gesicht. Sofort bildet sich ein Rudel aus Spielern um die beiden, nur dem sofortigen Einschreiten der Verantwortlichen ist es zu verdanken, dass die Partie nicht abgebrochen werden muss. Redel sieht umgehend Rot, muss vom Platz, Ziege kann das Spiel noch zu Ende bringen.
Florian Gaul, Trainer und Fußballabteilungsleiter bei Einheit, ist einen Tag später immer noch schockiert. "Ich und alle bei uns sind fassungslos. Und ich betone es ausdrücklich, für so etwas gibt es keine Entschuldigung, weil wir dafür null Toleranz haben." Gewalt gegen andere, ob körperlich oder mit Worten, habe bei Einheit keinen Raum und werde umgehend geahndet. Daher wurde noch am Sonntagabend beschlossen, den Faustschläger intern zuerst einmal für die nächsten Begegnungen vom Feld zu nehmen. Man wolle damit, so Gaul, ein Zeichen setzen und nicht etwa abwarten, zu welcher Entscheidung das Sportgericht, an das der Vorfall gegangen ist, kommt. Zudem ging an die Adresse der Abtsdorfer, bei denen sich Florian Gaul bereits Minuten nach der Attacke persönlich entschuldigt hatte, ein offizielles Schreiben. Darin heißt es neben anderem: "Nach den Vorkommnissen beim Heimspiel gegen den SV Abtsdorf hat sich der Spieler offiziell beim SV Abtsdorf und seiner Mannschaft schriftlich entschuldigt. Die Entschuldigung von Redel nahm auch der Einheit-Vorstand zur Kenntnis, dennoch hat die Vereinsleitung sich dazu entschieden, den Spieler intern für acht Pflichtspiele zu sperren, und er muss fünf Stunden Sonderleistung erbringen. Die Abteilungsleitung Fussball des SV Einheit Wittenberg sowie Germain Redel entschuldigen sich hiermit ganz offiziell bei unserem Gast und allen Zuschauern für die Vorkommnisse."
Florian Gaul, der sich nach dem Spiel mit Redel unterhalten hatte, erklärte hinterher, "dass es eigentlich egal ist, warum er so ausgetickt ist, wobei ich fast glaube, dass er es selbst nicht so richtig weiß. Es gibt keinen Grund, jemand anderem ins Gesicht zu schlagen. Ich hoffe nur, dass dieser Vorfall keinen Schatten auf unseren Verein wirft und bedanke mich zugleich bei den Abtsdorfern, die sehr ruhig reagiert haben". Karsten Kuschel, Trainer der Abtsdorfer, unterscheidet beim Gespräch mit der MZ ganz deutlich zwischen Verein und Spieler. "Die Entschuldigung des Vereins nehmen wir ohne Wenn und Aber an. Mir tut es unheimlich leid für so einen Traditionsverein wie Einheit, dass man wegen Spielern wie Redel solchen Ärger hat. Das haben die Wittenberger nicht verdient." Die Entschuldigung vom schlagenden Kicker selbst akzeptiert man indes bei Abtsdorf nicht. "Nein, so jemand hat auf dem Platz nichts zu suchen. Diesmal hat es uns getroffen, das nächste Mal einen anderen." Kuschel findet es gut, dass Einheit entsprechend reagiert hat, aber: "Wäre Redel bei uns, hätten wir ihm sofort eine lebenslange Spielsperre erteilt. Es ist ja nicht das erste Mal, dass er auffällig geworden ist, ich erinnere nur an das Hallenturnier von Einheit. Aber das müssen die Wittenberger selbst entscheiden, da hat sich niemand einzumischen."
Es müssen keine Fäuste fliegen
Marco Ziege überlege derweil noch, ob er eine Strafanzeige gegen Redel stellt. Laut Trainer wäre es eine nachvollziehbare Entscheidung. "Marco hat ein normales Foul gegen Redel gemacht, es gab einfach keinen Grund, dass man sich hinterher schlagen muss. Und wir spielen in der Kreisoberliga, da müssen nicht die Fäuste fliegen."
Jens Becker, Vorsitzender Kreissportgericht Wittenberg, stimmt dem Argument vorbehaltlos zu. Er bearbeitet den Vorfall und erklärte die weitere Verfahrensweise: "Alle haben drei Tage Zeit, Stellungnahmen einzureichen. Dies wäre bis Mittwoch der Fall. Da mir aber die Schreiben bereits vorliegen, denke ich, dass das Urteil in dieser Woche fällt." Im schlimmsten Fall bekäme Redel eine lebenslange Sperre für Kreisoberligaspiele.
WEITERES SPIELGESCHEHEN
Kantersieg für Abtsdorfer Verfolger
Natürlich wurde am Wochenende doch noch Fußball gespielt, ohne das es zu Zwischenfällen kam. Den deutlichsten Erfolg verbuchte dabei in der Kreisoberliga Wittenberg ausgerechnet der ärgste Verfolger von Spitzenreiter Abtsdorf. Tabellenzweiter Glückauf Möhlau kam am Sonnabendnachmittag nämlich zu einem 6:0-Kantersieg gegen den Mühlanger SV, dem aktuell 14. in der Tabelle. Die Tore für den Platzherren schossen Max Bachmann (9.), Oliver Ladewig (14., 27.), Philipp Schreiber (48.), Marcel Stegemann (54.) sowie Nico Miertsch (79.).
Beim Kreisfachverband Anhalt baute mit einem knappen 1:0-Erfolg über TuS Kochstedt Chemie Rodleben am 20. Spieltag seinen Vorsprung an der Tabellenspitze weiter aus, auch da der ärgste Verfolger, die SG Waldersee/Vockerode, im Spitzenspiel des Tages gegen den Drittenplatzierten Dessauer SV leer ausging. Die Schützlinge von Trainer Uwe Wilke unterlagen auf eigenem Geläuf mit 0:1, und das ab der 74. Minute in Unterzahl. "Bitter ist es dann noch besonders, wenn man durch ein Eigentor verliert. Aber unterm Strich geht der Sieg für die Gäste in Ordnung. Sie haben einfach mehr investiert", resümierte der SG-Coach. Schon nach vier Spielminuten traf Alexander Berke, nur eben in die eigenen Maschen.
Kollektives Durchatmen war dagegen in Coswig nach dem Abpfiff zu vernehmen, Blau-Rot kann doch noch gewinnen. Die Mannschaft von Trainer René Gommert fuhr mit dem 1:2 bei der Reserve von Germania Roßlau den ersten Sieg in diesem Jahr ein, zweifacher Torschütze war Sebastian Kunze (10., 11.).
Torlos trennte sich die SG Oranienbaum-Wörlitz von der SG Jeber-Bergfrieden/Serno. "Wir haben eigentlich nicht schlecht gespielt und hatten fast achtzig Prozent Spielanteile. Aber wenn der Gegner mit neun Mann am Strafraum steht, ist es verdammt schwer, den entscheidenden Treffer zu erzielen", erklärte Gäste-Trainer Andreas Wolf. Das sah sein Kollege Harald Dobritz natürlich völlig anders. "Es war kein unverdienter Punkt für uns. Die Platzherren waren zwar optisch überlegen, aber gegen unsere gute Defensivarbeit ist ihnen nichts Gravierendes eingefallen." WMI/AR
Quelle:MZ
