MZ: Über Schiedsrichter - Piesteritz - Victoria Wittenberg

PR Team, 22.10.2014

MZ: Über Schiedsrichter - Piesteritz - Victoria Wittenberg

Die Beobachter

FUSSBALL Schiedsrichter erleben die Premiere einer ganz besonderen Schulung in Zschornewitz.

VON MICHAEL HÜBNER

ZSCHORNEWITZ/MZ- Hubert-Joachim Frenck wähnt sich nach seinem Umzug nach Sachsen-Anhalt im vermeintlichen Schiedsrichter-Paradies. "Ich fand es schick, schön", sagt der Ex-Saarländer. Er habe zunächst die Beobachter der Referees nicht vermisst. Aber dann habe doch irgendwann "das Feedback" gefehlt. "Heute werden 30 bis 40 Prozent der Spiele in der Verbandsliga beobachtet", sagt der Wolfener, der die Beobachter schult.

Erstmals wird im Landkreis eine solche Weiterbildung angeboten. Dabei bleibt in Zschornewitz kein Platz frei. Spielleiter aus Wittenberg, Anhalt-Bitterfeld und Anhalt reisen an. Und das Allerheiligste - quasi die Kabine der Referees - öffnet sich auch für die Presse. "Wir sind doch kein Geheimbund", sagt Frenck, und auch "das Spionieren" erfolge nicht im Verborgenen. So melde sich der "Kontrolleur" vor der Partie beim Trio in Schwarz an - er muss ja auch einschätzen, ob die Absprachen vor der Begegnung ordentlich erfolgen und später umgesetzt werden. Und nach der Partie wird die Leistung gemeinsam ausgewertet. "Beobachten ist nichts Schlimmes, nichts Böses", sagt Frenck. "Es gibt Unterschiede, und die müssen herausgearbeitet werden." Für den "Lehrer" steht die Qualitätssicherung und ein Mehr an Leistung auf dem Spielfeld im Mittelpunkt. "Es gibt alte Hasen, die pfeifen nach eigenen Regeln", so Frenck, "die haben vor 30 Jahre ihre Prüfung gemacht und nie mehr ein Feedback erhalten."

Ziel der Beobachter sei es nicht, nur Fehler zu analysieren oder "jemanden rund zu machen", sondern es müsse geklärt werden, "was noch besser gemacht werden kann". Frenck, der ein promovierter Chemiker ist, spricht von einer Art Coaching. "Die Schiedsrichter sollen viel Freude an ihrem Hobby haben", sagt der Wolfener. Natürlich sollen zukünftig auch die jungen Talente besser gefördert werden. Und auch die Einstufung der Referees kann auf einem höheren Standard erfolgen.

Zum Ende der Einschätzung - die schriftlich vor dem nächsten Spiel vorliegen soll - wird die Leistung des Referees mit einem Prädikat versehen. Allerdings steht das komplette Schulnotensystem nicht zur Verfügung. Es gibt drei Varianten: sehr gut, gut und ungenügend. "Mir persönlich ist das zu wenig. Eine zufrieden stellende Leistung sollte als solche auch gekennzeichnet werden - als befriedigend", rät der Experte, der viele Tipps parat hat. So sollte der Beobachter rechtzeitig vor Ort sein. Doch was ist der richtige Zeitpunkt? Da gibt es offensichtlich in den Klassen Unterschiede. "Wenn ich in der Kreisliga 20 Minuten vor dem Anpfiff da bin, kann ich die Eckfahnen noch selber stecken", löst ein Referee Zustimmung und Erheiterung aus. Richtig sei, so empfiehlt es Frenck, nach dem Schiedsrichter-Trio am Ort des Geschehens einzutreffen. Und auch das Beobachten während einer Partie kann zu einer Qual werden - wenn nämlich nichts Notierenswertes passiert. Peter Kein nennt so etwas ein "Oma-Spiel" und berichtet von seiner Arbeit in Barleben. "Da gab es drei Pfiffe. Und zwei waren für Anstöße", so der Zschornewitzer, der als einziger aus dem Kreis Wittenberg in der Beobachterliste des Landes steht. Er hat Recht: Schwerpunkte sind die Entscheidungen auf dem Rasen. Wird der unfaire Einsatz des Ellenbogens von Anfang an unterbunden? Werden Schwalben, Tackling von hinten oder Handspiel erkannt? In Piesteritz, steuert Frenck eine Anekdote bei, stöhnen die Verantwortlichen schon, wenn sie den Namen eines Unparteiischen hören. "Der lässt ein körperbetontes Spiel zu", erläutert der Fachmann und hält das nicht für schlimm. Wichtig sei, dass er seiner Linie auf beiden Seite treu bleibe. "Wir brauchen souveräne Persönlichkeiten, keine Selbstdarsteller", so Frenck. Und so ist das Auftreten der Schiedsrichter auch ein wichtiges Bewertungskriterium. Wie verhält er sich gegenüber den Spielern und den Offiziellen?

"Es gibt alte Hasen, die pfeifen nach eigenen Regeln."

Hubert-Joachim Frenck

Schiedsrichter- Beobachter

PRAXIS-TEST

Gute Note für Rick Maruschke

Die Schulungfür Schiedsrichterbeobachter in Zschornewitz bestand am vergangenen Sonnabend aus einem Theorie- und einem Praxisteil. Und so beobachten die 15 Schiedsrichter nach einer über zwei Stunden langen Schulung noch die Begegnung in der Fußball-Kreisliga zwischen den Reserven von Zschornewitz und Seegrehna (3:1). Bei der Ansetzung des Spielleiter-Trios wurde allerdings nichts dem Zufall überlassen. "Es wurde bewusst ein erfahrener Referee mit zwei jungen Assistenten ausgesucht", erzählte Peter Kein. Vor 30 Zuschauern gab es aber kaum knifflige Entscheidungen. "Das lag vor allem an Maruschke und seinem Team", erzählte Kein gestern auf MZ-Anfrage. Freilich wurde so manche Szene von außen etwas anders bewertet. Laut Kein gab es am Ende aber ein "Gut" für Maruschke und seine Helfer an der Seitenlinie.

 

FUSSBALL

Unzufriedene wechseln zur Victoria-Elf

Bodo Schulz setzt weiter auf Leistungen.

WITTENBERG/MZ- In Wittenberg ist die Fußball-Welt zweigeteilt. Es wird debattiert. Was zählt: Spaß oder Resultat? Bodo Schulz, Trainer in Pratau und bis zum 31. Oktober Chef im Nachwuchsstützpunkt Piesteritz, plädiert für Leistung. MZ-Redakteur Michael Hübner spricht mit dem Übungsleiter.

Victoria Wittenberg hat die Spitze in der Kreisliga verloren. Sind Sie glücklich?

Schulz:Was für eine Frage. Nein, natürlich nicht. Schadenfreude gehört sich nicht. Aber für mich ist die Neugründung des Vereins kontraproduktiv. Das geht auf Kosten des Traditionsclubs Piesteritz und schwächt die führende Rolle der Grün-Weißen. Unzufriedene Kicker sind zu Victoria gewechselt. Die wollen nur ihren Spaß haben.Piesteritz reagiert mit Sperren, statt den Trend zu erkennen. Dabei ist die Lösung simpel: Für das abgemeldete 3. Team musste nur eine U 23 für die Kreisoberliga gebildet werden.

Schulz:Das kann so gesehen werden. Und mit Sperren wird die Tür für eine Rückkehr fest zugeschlossen. Aber es gibt auch eine zweite Seite. Die jungen Leute haben in Piesteritz eine gute Ausbildung erhalten. Mir tut jeder Weggang persönlich weh. Die Nachwuchsförderung war mal ein Markenzeichen im Volkspark. Im Moment sehe ich im Nachwuchs keinen Kandidaten mehr für die Verbandsliga der Männer. Das wird in der Zukunft ein großes Problem. Es ist schade, dass der Verband den Verein beim Oberliga-Aufstieg gezwungen hat, einen zusätzlichen Zaun zu errichten. Diese 90 000 Euro wären in die Jugend besser investiert.

Zumal die Sportstätten in Wittenberg zumindest nach Einschätzung der Stadt top sind. Schließlich sollen die Plätze - falls Berlin den Zuschlag für die Olympischen Spiele erhält - den besten Athleten der Welt zur Verfügung gestellt werden.

Schulz:Das ist doch reiner Populismus. Selbst die Anlage in Elster ist besser als die in Piesteritz. Darüber hinaus ist der Volkspark schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Und so sind die Übungsleiter, die alle berufstätig sind, auch damit beschäftigt, die Kinder zum Training oder zu den Spielen zu fahren. In diesem Jahr ist ein Übungsleiterlehrgang ausgefallen, weil sich kein Interessent gefunden hat. Ich bin übrigens dafür, dass die Piesteritzer künftig in der Verbandsliga in einem sanieren Arthur-Lambert-Stadion spielen. Bei der Pokalpartie von Victoria gegen Piesteritz II kamen hier über 500 Zuschauer und trotzdem gab es noch genügend Parkplätze.

Wer über Fußball redet, muss auch über das Thema Geld sprechen.

Schulz:Inzwischen wird selbst in der 8. Liga und tiefer für die Aktiven etwas gezahlt. Entstanden ist dies wegen eines Mangels an Spielern. Das ist eine Folge, weil sich niemand mehr intensiv um den Nachwuchs kümmert. Und das ist das Ärgerliche. Auch die Zusammenarbeit mit Sportschulen ist ein Problem. Kindern und Eltern wird etwas vorgaukelt: Die wenigsten haben eine Chance, Profi zu werden. Ein aktuelles Beispiel: Wir haben einen Spieler der D-Jugend nach Leipzig delegiert. Kann er sich nicht durchsetzen, kommt er sofort zurück. Der HFC und der 1. FCM verfahren anders. Hier haben wir in der gleichen Altersklasse ebenfalls in diesem Jahr drei Kicker delegiert, die sehen wir aber nicht so schnell wieder.

 

Klare Reihenfolge am Elfmeterpunkt

FC GRÜN-WEISS PIESTERITZ Jeffrey Neumann übernimmt gegen HFC II Verantwortung.

VON THOMAS TOMINSKI

WITTENBERG/MZ- Auf dem Zettel, der in der Umkleidekabine des FC Grün-Weiß Piesteritz hängt, ist alles geregelt. Von Handyverbot bis Strafe bei Unpünktlichkeit. "Auch die Reihenfolge der Elfmeterschützen", meint Co-Trainer Olaf Aßmann, der als Nummer eins Oliver Hinkelmann und als Nachrücker Jeffrey Neumann sowie Kevin Jersak benennt. Die Realität hat am Samstag alle Pläne über den Haufen geworfen. 87. Minute: Es steht 2:2 im Fußball-Verbandsligaspiel zwischen Spitzenreiter Piesteritz und Oberliga-Mitabsteiger HFC II. Schiedsrichter René Krüger aus Leipzig zeigt nach einem Handspiel im Hallenser Strafraum auf den Elfmeterpunkt. Trainer und Fans erwarten, dass sich Hinkelmann den Ball schnappt und ins Netz knallt. Doch Pustekuchen! "Er hat signalisiert, dass er nicht will", blickt Aßmann zurück, den Sekunden später die Rufe "Jeffrey, hau das Ding rein" erreichen. Der Führende der Torjägerwertung fackelt nicht lange, schießt das 3:2 und sein Team auf die Siegerstraße. "Neumann strotzt derzeit vor Selbstvertrauen", so der Co-Trainer weiter, der im entscheidenden Moment zusammen mit Chefcoach Uwe Ferl dem 23-Jährigen fest die Daumen gedrückt hat. "Gott sei Dank ist alles glatt gelaufen. Seinen letzten Elfer hat er vor ein paar Jahren versenkt." Den Tipp, Jersak als Nummer drei zu setzen, haben die beiden Trainer von Mannschaftsleiter Tobias Klier erhalten. Laut dessen Schilderung hat Jersak bei seinem früheren "Arbeitgeber" SG Reppichau (Landesklasse) - der defensive Mittelfeldspieler ist in der Sommerpause nach Piesteritz gekommen - nie einen Strafstoß versemmelt. Der eigentliche Chef am Punkt, Florian Freihube, steht der Mannschaft erst in der Vorbereitung zur zweiten Halbserie zur Verfügung. Der 24-Jährige absolviert derzeit ein Lehrer-Praktikum in der französischen Hauptstadt.

Für Aßmann war das Match gegen die HFC-Reserve (4:2) ein tolles Fußballspiel, das alle Erwartungen erfüllt hat. "Jeffrey Neumann und der Hallenser Ratifo haben der Partie noch ihren eigenen Stempel aufgedrückt", fügt er an und bezeichnet den Sieg als "etwas glücklich". Intern laufen in Piesteritz bereits die ersten Gespräche für den Landespokal-Achtelfinalkracher gegen den HFC (3. Liga) am 15. November im Volkspark. Ein Zettel mit konkreten Anweisungen hängt dafür nicht in der Kabine. Noch nicht!

"Oliver Hinkelmann hat signalisiert, dass er nicht will."

Olaf Aßmann

Co-Trainer Piesteritz


Quelle:MZ