PIESTERITZ: Abschied im Doppelpack?

PR Team, 26.11.2014

PIESTERITZ: Abschied im Doppelpack?

Abschied im Doppelpack?

GRÜN-WEISS PIESTERITZ Geschäftsführer hört auf, Chef räumt sich Bedenkzeit ein.

VON THOMAS TOMINSKI

WITTENBERG/MZ- Die Zeichen stehen auf Abschied. Bei Präsident Volker Neuberg, bei Geschäftsführer Ingo Mattheuer. Der Boss des FC Grün-Weiß Piesteritz lässt sich noch etwas Zeit bei der Entscheidungsfindung, für den 60-jährigen Mattheuer steht fest: Zum 31. Dezember ist Schluss. Zumindest beim FC. Der Geschäftsführer betont, dass ihn niemand aus dem Vorstand gedrängt habe, seinen Stuhl zu räumen. "Nach 25 Jahren Geschäftsführer und Manager habe ich eine neue Herausforderung gesucht", so Mattheuer weiter, der durchblicken lässt, dass ihm der russische Fußballverband ein Angebot unterbreitet hat. "Es geht um die WM 2018", sagt er, will sich beim Hinterfragen aber nicht in die Karten schauen lassen. Der Entschluss, die Geschäftsführung abzugeben, gärt laut dem 60-Jährigen seit dem Oberliga-Abstieg im Sommer. "Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht aufhören. Der Verein hat rote Zahlen geschrieben. Ich wollte mit schwarzen Zahlen einen Schluss-Strich ziehen", so Mattheuer, der der Meinung ist, dass er sich diesen Schritt nach 50 Jahren Vereinszugehörigkeit erlauben darf. "Philipp Lahm hat sein Kapitänsamt bei der Deutschen Nationalmannschaft mit 30 Jahren abgegeben. Da habe ich ein bisschen länger durchgehalten", meint der Geschäftsführer hörbar mit Stolz in der Stimme und fügt an, dass er "nur vier Jahre" seiner Tätigkeit bezahlt bekommen habe. Als Manager hat Mattheuer im Volkspark Spuren hinterlassen. Schalke 04, VfL Wolfsburg, Hertha BSC oder Borussia Mönchengladbach haben unter anderem in der Lutherstadt ihre Visitenkarten abgegeben. Im Sommer 2004 gelingt ihm der große Wurf. Das Match Piesteritz gegen den FC Bayern München besuchen 6 000 Fans. Der Deutsche Rekordmeister gewinnt das Freundschaftsspiel mit allen Stars 7:3. "Trotzdem" sagt Mattheuer, "meine Sternstunden habe ich außerhalb des Fußballs erlebt." Trotz seines Abschieds aus der Führungsetage bleibt er Vereinsmitglied des FC Grün-Weiß.

Präsident Volker Neuberg stellt klar, dass der Posten künftig nicht besetzt wird. "Wir müssen sparen", sagt er und betont, dass die Trennung in beiderseitigem Einvernehmen über die Bühne gegangen sei.

Der 59-Jährige Neuberg befindet sich in der Findungsphase. Aktuell sehe es danach aus, dass er bei der nächsten Mitgliederversammlung, die Ende März/Anfang April 2015 stattfindet, nicht wieder als Präsident kandidiert. Einzige Ausnahme: Neuberg findet keinen geeigneten Kandidaten, der ihn beerbt. "Dann hänge ich vielleicht noch ein Jahr dran." Das Wort vielleicht zieht er dabei hörbar in die Länge. Neuberg erklärt, dass es ihm im Tagesgeschäft immer schwerer fällt, Arbeit und Vereinsarbeit unter einen Hut zu kriegen. Als Niederlassungsleiter der Weber Rohrleitungsbau GmbH mit Stammsitz in Merseburg sei er täglich zehn Stunden unterwegs, dreimal in der Woche folgt die zweite Schicht im Volkspark. "Ich führe demnächst Gespräche mit den ersten Kandidaten", so Neuberg, der hofft, dass er im Frühjahr das Zepter übergeben kann. "Die Familie ist in den letzten vier Jahren viel zu kurz gekommen", nennt er einen weiteren Grund für seinen anstehenden Abschied vom Chefposten.

Erste Abschiedsgedanken seien ihm im Sommer gekommen, so der 59-Jährige. Der FC Grün-Weiß war aus der Oberliga abgestiegen und stand vor einem Neuanfang. "Doch in der Krise wollte ich den Verein nicht im Stich lassen", so der FC-Boss, der die ganze Kritik im Nachgang nicht ganz nachvollziehen kann. "Es gibt viele Menschen mit pfiffigen Ideen. Die reden sich alles von der Seele. Doch anpacken will keiner."

Kommentar Seite 8

GESCHICHTE

Zweimal Mattheuer als Präsident

Am 1. April 1919wurde Vorgänger FC Wacker Piesteritz in der Gaststätte "Krug zum grünen Kranze" gegründet. Zu den ersten Mitgliedern gehörte Gustav Mattheuer, der von 1950 bis 1953 auch Präsident des Vereins war. Sein Enkel Ingo übte dieses Amt von 2007 bis 2011 aus. Zuvor war er 21 Jahre Manager und Geschäftsführer bei den Grün-Weißen.NachfolgerVolker Neuberg ist seit 6. April 2011 im Amt und wird aller Voraussicht nach im kommenden Frühjahr nicht wieder kandidieren.Das sportlicherfolgreichste Jahr erlebten die Fans des FC Grün-Weiß 2011. Die erste Mannschaft schaffte den Oberliga-Aufstieg und zog ins Pokalfinale ein.TT

"Ich führe demnächst Gespräche mit Kandidaten."

Volker Neuberg

Präsident Piesteritz

Aus dem Landkreis / KOMMENTAR

Bayern-Spiel als Krönung

THOMAS TOMINSKIhofft, dass sich beim Traditionsverein FC Grün-Weiß Piesteritz die Macher künftig wieder durchsetzen.

Der große "Zampano" geht. Seine Tage sind gezählt, das Werk vollendet. Ingo Mattheuer hat nach 25 Jahren Vorstandsarbeit im Volkspark Spuren hinterlassen, die breiter als ein Trampelpfad sind. Er hat den FC Grün-Weiß Piesteritz weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht und Stars der nationalen und internationalen Fußball-Szene nach Wittenberg geholt. Der Auftritt des FC Bayern München 2004 mit Trainer Felix Magath und "Titan" Oliver Kahn wird in den Geschichtsbüchern des Clubs einen festen Platz finden.Nach dem Oberliga-Abstieg haben der finanziell angeschlagene Verein und Mattheuer viel Kritik einstecken müssen. Die Kasse war leer und ein Teil der Spieler im Sommer weg. Doch der prophezeite Absturz in die Bedeutungslosigkeit ist trotz aller im Eifer des Gefechts gemachten Fehler ausgeblieben. Die erste Mannschaft gehört zur Spitzengruppe der Verbandsliga. Einen Nachfolger auf der Geschäftsführerposition wird es nicht geben. Gute Ideen und Macher sind immer gefragt.


Quelle:MZ