Köthen bleibt trotz starker Konkurrenz dem Ziel Aufstiegtreu

Daniel Richter, 30.07.2009

Köthen bleibt trotz starker Konkurrenz dem Ziel Aufstiegtreu

Projekt Aufstieg» wird zum Kraftakt

Der CFC Germania kämpft in der Landesklasse gegen sechs ernst zu nehmende Kandidaten

 

 

CFC Germania 03
Mit diesem Team geht der CFC Germania 03 in die neue Saison. 

 KÖTHEN/MZ. "Nach dem zweiten Platz aus dem Vorjahr kann es für uns in dieser Saison nur ein Ziel geben." Bei seiner Ansprache an die Mannschaft forderte Ronald Maaß vor etwa zwei Wochen nichts weniger als den Staffelsieg. Der Präsident des CFC Germania will seinen Verein nicht ein weiteres Jahr in der Landesklasse sehen. "Wir wollen in die Landesliga", so Maaß. Das umzusetzen wird allerdings zum Kraftakt.

Denn diese Landesklasse zu gewinnen, ist in der nächsten Freitag beginnenden Spielzeit weit schwerer als in der abgelaufenen Saison. Zwei Landesliga-Absteiger, drei Staffelzweite aus dem Vorjahr sowie mit Rot-Weiß Kemberg eine Mannschaft, die massiv aufgerüstet hat - die Vorzeichen versprechen ein hochklassiges Teilnehmerfeld, in dem jeder Fehler sofort bestraft wird. Ob Köthen in der Lage sein wird, seine Fehlerquote in Grenzen zu halten, bleibt dabei abzuwarten. Die Ergebnisse und Auftritte bei den Vorbereitungsspielen verpassten den Optimisten im Verein bislang jedoch einen Dämpfer.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Gesicht der Mannschaft weiter verjüngt. Den Abgängen von Matthias Lorenz (Laufbahnende), Patrick Werner (Edderitz), Marcel Osoria (Gölzau), Felix Schiesewitz (PSV 05), Marcel Pauly (Osternienburg) und Christian Gumlich (2. Mannschaft) stehen insgesamt acht Neuzugänge gegenüber. Mit Jens Kaulitzki, Charles Siegel, Timo Schmidt und Markus Bongartz kommen vier davon aus dem eigenen Nachwuchs. Sie kamen bereits in der abgelaufenen Saison regelmäßig zum Einsatz. Aus der aktuellen A-Jugend steht der 17-jährige Konstantin Finze im erweiterten Kader der 1. Mannschaft. Von anderen Vereinen verstärkte sich der CFC mit vier Spielern. Alexander Winter, Patrick Bädelt (beide Eintracht Köthen), Lars Geffert (Aken) und Alexander Brandt (Wulfen) sollen beim "Projekt Aufstieg" helfen.

Im Tor des CFC sieht es derzeit danach aus, als ob Trainer Peter Franczak in der neuen Saison rotieren lassen wird. Weder Jens Kaulitzki (18) noch Jens Lux (26) kristallisierten sich als uneingeschränkte Nummer Eins heraus. Während Kaulitzki auf der Linie stärker ist, fällt Lux mit seiner besseren Strafraumbeherrschung positiv auf. Damit wird Köthen wohl der einzige Verein sein, der ohne Stammtorwart in die Saison geht.

Vor den sich abwechselnden Schlussmännern steht eine Zwei-Generationen-Abwehr. Da sind zum einen Steffen Fricke (38) und Daniel Trybus (33). Sie sollen mit ihrer Erfahrung die nötige Stabilität garantieren. Vor allem Trybus überzeugte in der abgelaufenen Saison als knallharter Verteidiger, bei dem die Stürmer nach den ersten Zweikämpfen am liebsten die Seite gewechselt hätten. Nicht ohne Grund gewann er die Online-Abstimmung des Vereins zum Spieler der Saison 2008 / 09. Christian Minge (21), Markus Bongartz, Alexander Brückner und Keven Voigt (alle drei 19) komplettieren die Defensive. Sie repräsentieren wie kein anderer Mannschaftsteil den Anspruch des Vereins, die erste Männermannschaft mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu verjüngen und zu verstärken.

Auch im Mittefeld toben sich mit Konstantin Finze (17), Stefan Liebelt (19) und Charles Siegel (19) gleich drei Fußballer aus, die der vereinseigenen Nachwuchsarbeit entspringen. Neben den drei neu verpflichteten Alexander Winzer (27), Alexander Brandt (24) und Lars Geffert (24) ziehen Matthias Mann (26), Martin Lehmann (20) und Othmane Bouzbouz (29) die Fäden im Mittelfeld. Wobei gerade Lars Geffert in den Planungen des Trainers einen offensiveren Part übernehmen sollen.

Denn der CFC hat derzeit ein Problemkind - seinen Angriff. Während die anderen beiden Mannschaftsteile wenig Sorgen bereiten und wohl das nötige Niveau für den Aufstiegskampf haben, fehlt es in der Spitze an der nötigen Durchschlagskraft. Mit Thomas Mann (27), Ronny Müller (22), Timo Schmidt (18) und Patrick Bädelt (20) geht der Verein auf Torejagd. Zwar gelangen Thomas Mann mit 13 Toren die meisten Treffer in der abgelaufenen Saison. Aber regelmäßige Stadionbesucher wissen, dass er sich dafür erstens im Mittelfeld zu sehr aufrieb und zweitens für seine Tore zu viele Chancen benötigte. Auch Ronny Müller fehlte es trotz seiner Laufbereitschaft am Torinstinkt. Zwei Treffer in 13 Spielen waren zu wenig. Ob Bädelt und Schmidt, der bei den A-Junioren hinter den Spitzen spielte, diesen Mangel ausgleichen können, scheint derzeit ungewiss. Auch wenn es der Verein nur widerwillig zugeben mag - der Weggang von Nico Friedrich hinterließ zumindest sportlich eine nicht zu füllende Lücke.

Doch allein das Wissen um die eigenen Stärken und Schwächen reicht nicht aus in dieser Liga. Denn bis auf den SV Gölzau und die SG Reppichau ist das Starterfeld eine mehr oder weniger große Unbekannte. Die zwei Landesliga-Absteiger Grün-Weiß Piesteritz II und Einheit Wittenberg gelten als Kandidaten für den Wiederaufstieg. Weiterhin spielen neben Köthen mit Grün-Weiß Wolfen II (ehemals Staffel 6) und dem VfL Gräfenhainichen (ehemals Staffel 7) auch die letztjährigen Tabellenzweiten ihrer Staffel in der neuen Liga. Macht also schon fünf Aufstiegskandidaten.

Und dann ist da noch Rot-Weiß Kemberg. Spielernamen wie die neuverpflichteten Sedlacek, Olejnik, Elias oder Kröber, Heede und Richter sagen dem lokalen Fußballfan vielleicht nicht viel. Aber ihre Herkunft lässt auf ihr Potential schließen. Die ersten drei kommen vom MSV Eisleben, die anderen drei von Grün-Weiß Piesteritz - beides Verbandsligisten. Auch Trainer Jiri Andrusak wechselte aus Eisleben nach Kemberg. Möglich macht es das finanzielle Engagement von Torsten Fenger. Der ehemalige Hauptsponsor des SV Dessau 05 stieg nach der abgewendeten Insolvenz aus und widmet sich künftig den Kembergern. Nach derzeitigem Stand gelten die Rot-Weißen trotz des letztjährigen neunten Platzes als erster Anwärter auf den Staffelsieg. "Zweifellos ist Kemberg mit diesen Neuverpflichtungen der große Favorit", sagt CFC-Präsident Ronald Maaß. "Aber wir verfolgen nichtsdestotrotz unsere Ziele."


Quelle:MZ