Möhlau und Kemberg können eine zweite Chance erhalten
PR Team, 08.04.2015
Happy End für einen Verlierer
FUSSBALL-KREISPOKAL Möhlau und Kemberg können eine zweite Chance erhalten.
VON MICHAEL HÜBNER
WITTENBERG/MZ- Der Pokal hat, so lautet eine Fußballphrase, seine eigenen Gesetze. Und die sind mitunter knallhart: Wer verliert, ist raus aus dem Wettbewerb. So steht es auch in der Ausschreibung zum laufenden Kreispokal. Demnach gibt es jetzt nur noch das Endspiel zwischen Annaburg und Piesteritz II. Doch wahrscheinlich geht der Pokal in diesem Jahr nach dem Finale noch in die Verlängerung. Und das gab es bisher in der Wittenberger Fußballgeschichte noch nie. Es muss noch der Teilnehmer des Kreises am Landespokal ermittelt werden. Daran dürfen zweite Vertretungen (Piesteritz) nicht teilnehmen, und Annaburg ist als Landesligist dafür bereits qualifiziert. Das setzt natürlich voraus, dass der Abstiegskampf von den Annaburgern erfolgreich gemeistert wird. Der Vorsprung vor den Abstiegsplätzen ist zwar im Moment minimal, aber es machen Gerüchte die Runde, dass der Landesverband die Zahl der Absteiger noch reduzieren wird, und die Annaburger praktisch schon gerettet sind. "Wir haben nichts Schriftliches, nichts Offizielles. So lange müssen wir wie bisher von drei Absteigern aus gehen", sagt Philipp Kötitz, Spielausschusschef im Kreis. Ein kräftiges Dementi sieht anders aus.
Verbandsliga wieder mit 16 Teams
Und auch in Magdeburg halten sich die Verantwortlichen zumindest noch zurück. "Die Verbandsliga wird im nächsten Jahr definitiv wieder mit 16 Mannschaften starten", sagt Pressesprecher Volkmar Laube. Da offensichtlich keine Mannschaft aus Sachsen-Anhalt aus der Oberliga absteigt, der HFC II sich aus der Verbandsliga zurückzieht und die Zahl der Verbandsliga-Absteiger nicht reduziert werden soll, bleibt die Frage, welche Teams künftig in der höchsten Spielklasse des Landes antreten sollen. Laube hält das Aufstocken eben mit Vertretungen aus der Landesliga für möglich.
Und somit nimmt ein Duell der Halbfinal-Verlierer im Wittenberger Pokal feste Konturen an. Zweifellos haben beide Kandidaten das Happy End verdient. Kemberg geht gegen Titelverteidiger Annaburg zweimal in Führung. Der Favorit rettet sich ins Elfmeterschießen und gewinnt glücklich. "Ein Spiel vor fast 200 Zuschauern. Das ist für Fußballer einfach toll", sagt Kembergs Fußballchef Frank Heise, der im Auftrag des Kreisfachverbandes - mit Fristsetzung am vergangenen Mittwoch - schon mal die Mannschaft gefragt hat, ob Interesse an der Teilnahme am Landespokal besteht. "Wir wollten das im Vorstand nicht allein entscheiden. Die Kicker haben sich dafür ausgesprochen", so Heise.
In Möhlau - das ist der zweite Verlierer - stellt sich eine solche Frage überhaupt nicht. "Wir wollen wirklich Historisches schaffen", sagt Heises Amtskollege Dirk Miertsch. Die Rede ist von der dritte Teilnahme am Landespokal in Folge. Die Qualifikation haben die Glückauf-Kicker fast schon gegen Piesteritz II im Halbfinale vor einer ebenfalls stattlichen Zuschauerkulisse geschafft. Die verstärkte Verbandsliga-Reserve wackelt bedenklich, gewinnt nur durch ein Glückstor gegen einen schon fast mehr als ebenbürtigen Gegner.
Doch jetzt wird es kompliziert. Was ist das eigentlich für eine Partie, wenn Möhlau gegen Kemberg spielt? Es ist kein kleines Finale, weil es nicht um den Rang drei geht. Von einem Relegationsspiel - laut Wikipedia werden da Auf- und Abstiegsfragen geklärt - kann auch nicht gesprochen werden. In Möhlau reden die Verantwortlichen gern von einem zusätzlichen Pokalspiel im Rahmen des Halbfinals. "Dann haben wir Heimvorteil", erklärt Miertsch.
Entscheidung im Glückauf-Stadion?
"Bis zum Halbfinale spielen die höherklassigen Teams stets auswärts. So steht es in der Ausschreibung", so Kötitz. Möhlau spielt in der Kreisoberliga und Kemberg in der Landesklasse. Dass die Rot-Weißen einen neutralen Platz statt dem Glückauf-Stadion favorisieren, versteht sich von selbst. "Das will ich jetzt nicht kommentieren", sagt Miertsch. Offensichtlich sind für ein solches Match aber bisher keine verbindlichen Regeln aufgestellt worden. Dafür hat Heise Verständnis. "Eine solche Konstellation gibt es vielleicht zweimal in Deutschland. Wir stellen uns aber auch in Möhlau", sagt der Kemberger, der allerdings betont, dass dies die Aufgabe deutlich erschwere: "Wir haben vor zwei Jahren im Pokal in Möhlau verloren."
Aber selbst wenn das Wo geklärt ist, das Wann des Spiels ist auch noch offen. "Als Vorspiel vor dem Finale am 29. Mai", schlägt Christoph Riedel vor. Der Pokal-Staffelleiter macht allerdings sofort eine Einschränkung: "Bis dahin muss aber geklärt sein, wo Annaburg künftig spielt." Deshalb hält Kötitz gleich einen Termin im Juni für besser. Dafür gibt es Rückenstärkung. "Wir wollen auf keinen Fall ein Sinnlosspiel", sagt Heise. Widerworte gibt es schon jetzt aus Möhlau. "Wir treten auch im Kampf um die goldene Ananas an. Wir sind ein ambitionierter Verein, der in Zukunft Landesklasse spielen möchte. Deshalb messen wir gern gegen ein Team aus dieser Liga unsere Kräfte", so Miertsch, der den 29. Mai als Vorspiel vor dem Finale favorisiert - und zwar beides in Möhlau! "Wir haben uns für die Austragung des Endspiels beworben, weil wir es können", so Miertsch. Das Selbstbewusstsein ist berechtigt. Die bisherigen Landespokalspiele - vor zwei Jahren gegen den Oberligisten und aktuellen Finalisten im Landespokal VfL Halle 96 - waren kleine Volksfeste. Selbst bei dem aktuellen Halbfinale gab es schon eine attraktive Pausengestaltung. Diese mögliche Doppelveranstaltung, da ist sich Miertsch sicher, wird ein einmaliger Tag und Zuschauermagnet.
Qual der Wahl beim Endspielort
Doch der Pokal boomt schon jetzt. Die neue Struktur - die Reserveteams spielen einen eigenen Wettbewerb aus - habe sich bewährt, so Kötitz. "Wir haben auch von den zweiten Teams nur positives Feedback erhalten", so der Spielausschuss-Chef. Und plötzlich gibt es ein neues Problem: Der Vorstand des Kreisfachverbandes hat die Qual der Wahl. "Das gab es noch nie. Mehr als ein halbes Dutzend von Vereinen will Gastgeber für das Endspiel werden", so Kötitz. Fest steht schon jetzt, Annaburg - im Vorjahr der Austragungsort - erhält den Zuschlag definitiv nicht. "Gräfenhainichen und Annaburg haben sich erst nach Meldeschluss beworben", so Kötitz. Und so werde der Vorstand nach seinen Angaben am Dienstagabend über die Bewerbungen von Piesteritz, Einheit Wittenberg, Möhlau und Jessen befinden. Und gesprochen wird auch schon mal über das Duell Möhlau gegen Kemberg.
"Wir treten auch im Kampf um die goldene Ananas an."
Dirk Miertsch
Fußball-Chef
LANDES-WETTBEWERB
Halbfinale reicht für die Qualifikation
Glückauf Möhlauhat es bereits im Vorjahr als Teilnehmer des Halbfinals in den Landespokal geschafft. Die Konstellation vor zwölf Monaten war sehr ähnlich. Auch da hieß das Endspiel Piesteritz II gegen Annaburg. Die Reserve darf nicht am Landeswettbewerb teilnehmen, und Annaburg ist als Landesligist qualifiziert. Doch damals kommt Glückauf Möhlau direkt in den Lostopf, weil der vierte Halbfinal-Teilnehmer mit Elster II im Landespokal nicht startberechtigt ist.
Quelle:MZ
