05 mit nötigem Glück in schwachem Derby in Roßlau
Daniel Richter, 10.08.2009
Dessau gewinnt das erste Landesliga-Derby gegen Roßlau seit elf Jahren
Fortuna steht den jungen 05ern bei

Torschütze Stephan Schulze (links) ist hier eher am Ball als der Roßlauer Christian Fräßdorf.
ROSSLAU/MZ. Eine Co-Produktion der beiden "Alten" im Team des SV Dessau 05 entschied das erste Landesligaderby der Saison gegen Germania Roßlau. Nach 85 Minuten drückte der 27-jährige Kapitän Stephan Schulze einen Eckball des sieben Jahre älteren Christian Hildebrandt zum 1:0 für die Gäste über die Linie. Inklusive Nachspielzeit gab es dann noch sieben Minuten zu überstehen, ehe der zweite Sieg des Zwangsabsteigers im zweiten Punktspiel der Saison feststand.
Während sich die jungen 05er - das Team hat einen Altersdurchschnitt von 21,1 Jahren - jubelnd in den Armen lagen, war den gastgebenden Germania-Kickern die Enttäuschung anzusehen. Roßlaus Trainer Lutz Wilke brauchte dann auch ein paar Minuten "zum Sammeln", ehe er den Ausgang der Partie analysierte. "Dass es ein enges Spiel werden würde, war vorher klar. Aber wir haben für ein Heimspiel zu wenig getan", machte er aus seiner Enttäuschung keinen Hehl, "beide Teams nehmen sich nicht viel. Es war ein glücklicher Sieg für 05".
Sein Trainerkollege auf Dessauer Seite sah das ähnlich. "Wir hatten heute das Glück des Tüchtigen. Ich bin mit der jungen Truppe zufrieden", sagte Dirk Metzker, der einst selbst in Roßlau aktiv war. "Ich wollte ungern dort verlieren, wo ich groß geworden bin."
In den 90 Minuten fiel vor allem eins auf: die schwache Chancenverwertung. Auf Roßlauer Seite Otto Möbius, Kevin Jersak, Christian Fräßdorf oder Jens Görisch - sie allesamt besaßen die Möglichkeiten, die Partie zugunsten der Germania zu entscheiden. Während Jersak bei seiner Szene leicht auf den Ball trat und dann verstolperte, scheiterten die anderen drei an einem aufmerksamen Georg Melzer im 05-Kasten. Dessen Teamkollegen ging es zunächst im Angriff nicht anders als den Gastgebern: Schulze in der ersten Halbzeit, der agile Kai Lukan oder vor allem der eingewechselte Eric Horn nach 72 Minuten - auch dieses Trio hatte die Führung schon auf dem Fuß.
Doch zunächst wollte der Ball partout nicht ins Tor. Dafür kämpften beide Teams, mit sichtbarem Respekt voreinander, vor allem mit sich selbst. Ein fußballerischen Augenschmaus war das Stadtderby nicht, viele Ungenauigkeiten und Fehler prägten die Aktionen. Mal gab es eine Druckphase der Germania, mal eine von 05. Wobei nicht wenige von den Roßlauern mehr erwartet hatten, zumal diese ja, im Gegensatz zu 05, ihr Auftaktpunktspiel verloren hatten. "Ich hatte mit mehr Druck gerechnet", befand Stephan "Lepe" Schulze, der Schütze des einziges Treffers der Partie, nach dem Abpfiff. Nach den vielen vergebenen Chancen hatte der neue Kapitän der 05er sich eigentlich schon auf ein 0:0 eingestellt. Nach dem Führungstor war er sich des Erfolges gleich sicher. "Da konnte nichts mehr anbrennen, dafür sind wir in der Defensive zu stark", meinte der Abwehrchef, der im Sommer ein Probetraining beim Verbandsligisten Wolfen absolvierte, sich dann aber für 05 entschied. Zusammen mit Hildebrandt führte er die Schwarz-Weißen zu zwei Siegen in zwei Punktspielen, womit wohl die wenigsten Analysten vor dem Saisonstart gerechnet haben dürften. Auch Schulze nicht. "Wenn mir das einer prophezeit hätte, den hätte ich wohl für verrückt erklärt", sagte er lachend.
Dessau-Roßlaus Sportdirektor Ralph Hirsch, wie Oberbürgermeister Klemens Koschig einer der 552 Zuschauer, zeigte sich über einen Fakt überrascht. "Erstaunlicherweise hat sich das junge 05-Team am Ende als cleverer erwiesen. Ich bin mir aber sicher, dass Roßlau seine Linie bald finden wird", lautete sein Fazit.
Quelle:MZ
