Mehr als ein Trainer – Richard Selka bleibt über die Saison hinaus beim VfB!
Martin Otto, 01.02.2026
Mit dem Start ins neue Jahr beginnen beim VfB auch langsam die Planungen für die kommende Saison.
Abseits des Platzes werden erste Weichen gestellt, Gespräche geführt und Perspektiven entwickelt – immer mit dem Blick auf eine nachhaltige Zukunft der 1. Männermannschaft.
Beim Teamausflug nach Prag nutzten wir die gemeinsame Zeit für ein ausführliches Gespräch mit unserem Trainer Richard Selka. Teil dieses Austauschs waren neben unserem Coach der Sportliche Leiter Steve Schaller sowie Vizepräsident Martin Otto.
In offener und konstruktiver Atmosphäre wurden dabei alle Themen rund um die Erste besprochen – sportlich, organisatorisch und mit Blick nach vorn.
Dabei machten die Verantwortlichen des VfB deutlich, dass sie weiterhin klar auf Kontinuität setzen und die Zusammenarbeit mit Richard Selka fortführen möchten. Richard selbst gab in diesem Rahmen seine Zusage und wird somit auch in der kommenden Saison die Geschicke unserer 1. Männermannschaft leiten. Obwohl noch eine halbe Saison zu spielen ist, herrscht damit frühzeitig Klarheit auf einer der wichtigsten Positionen im Verein – ein starkes Zeichen für Vertrauen, Stabilität und gemeinsame Planung.
Längst ist Richard Selka dabei nicht mehr nur in die sportlichen Geschicke der Ersten eingebunden. Über die Jahre ist er im Verein zu weit mehr als „nur“ einem Trainer geworden. Er hat zahlreiche Projekte aktiv mitgestaltet, sprang als Coach der zweiten Mannschaft ein, als dort kein Trainer zur Verfügung stand. Er leitete eine Trainingswoche und das damit verbundene Auswärtsspiel. Er beobachtet regelmäßig Spiele im Nachwuchsbereich und steht im Austausch mit den Nachwuchstrainern. Auch in die Gespräche mit unseren A-Jugendlichen brachte er sich intensiv ein und investierte dafür viel Zeit.
Darüber hinaus arbeitet Richard aktiv am Außenauftritt des Vereins mit, unterstützt den Homepage-Auftritt und hat sogar ein digitales Format für den VfB entwickelt, das ihr bei unseren Heimspielen erleben könnt. All das zeigt eindrucksvoll, wie sehr er sich mit dem Verein identifiziert und Verantwortung über den eigenen Aufgabenbereich hinaus übernimmt.
Kontinuität ist beim VfB ein zentraler Baustein der Entwicklung – und Richard Selka steht dafür wie kaum ein anderer. In seine dann anstehende fünfte Saison geht er mit der Erfahrung von zwei Aufstiegen, die jeweils den Double-Gewinn aus Meisterschaft und Pokal beinhalteten, sowie einem Abstieg, der den Verein und die Mannschaft nachhaltig geprägt hat.
Mit Testspielen stand er inzwischen knapp 150 Mal an der Seitenlinie und hat die Entwicklung der Ersten in all ihren Facetten miterlebt und mitgestaltet.
Im folgenden Interview blickt Richard Selka zurück, spricht über Werte, Entwicklung und besondere Momente – und darüber, warum diese Reise für ihn noch lange nicht zu Ende ist.
Seit vier Saisons stehst du an der Seitenlinie der ersten Männermannschaft – im Sommer gehst du in deine fünfte. Wenn du einen Moment aus dieser Zeit einfrieren könntest: Welcher wäre das?
Es ist tatsächlich kein einzelnes Spiel oder Tor. Die beiden Double-Gewinne mit Meisterschaft und Pokal waren natürlich außergewöhnliche Höhepunkte. Aber auch der Abstieg gehört dazu – so bitter er war, hat er uns viel gelehrt und war im Nachhinein ein wichtiger Nährboden für unsere Entwicklung.
Wenn ich einen Moment nennen müsste, dann eine Phase, in der es sportlich schwierig war und sich die Mannschaft geschlossen vor mich gestellt und mir den Rücken gestärkt hat. Kein großer Stadionmoment, sondern etwas Internes. Genau da zeigt sich, was ein echtes Team ausmacht. Diese Verbundenheit ist für mich wertvoller als jedes Ergebnis.
Vielleicht passt dazu auch eine Eigenschaft von mir: Ich schaue sehr schnell nach vorne und genieße Erfolge oft zu wenig. Umso mehr bleiben diese zwischenmenschlichen Momente – unabhängig vom Tabellenstand. Dazu kommen natürlich auch die gemeinsamen Erlebnisse abseits des Platzes, wie Teamfahrten nach Prag oder Mallorca und gemeinsame Abende. Genau solche Momente formen aus einer Mannschaft eine echte Einheit.
Was hast du in deiner Zeit hier über dich selbst als Trainer gelernt?
Ich habe gelernt, geduldiger zu sein – mit Spielern, mit Prozessen, aber auch mit mir selbst. Früher wollte ich Dinge schneller erzwingen, heute weiß ich: Entwicklung braucht Vertrauen, klare Kommunikation und manchmal einfach Zeit. Und ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, nicht nur Trainer, sondern auch Zuhörer zu sein.
Gleichzeitig ist mir bewusst geworden, dass ich fachlich immer nachlegen muss. Fußball entwickelt sich ständig weiter, und als Trainer darf man nie stehen bleiben. Ich habe in den letzten Jahren viel dazugelernt, weiß aber auch, dass noch einiges vor mir liegt.
Auch persönlich reift man in so einer Rolle. Man wächst mit Verantwortung, mit schwierigen Phasen und mit Entscheidungen. Ich bin heute reflektierter, aber definitiv noch in einem Prozess – und genau das motiviert mich.
Welche Werte sind dir innerhalb der Mannschaft besonders wichtig?
Respekt steht für mich an erster Stelle – untereinander und gegenüber dem Verein. Dazu kommt Verantwortung: Jeder trägt seinen Teil für das Team, auf und neben dem Platz. Und Ehrlichkeit ist mir extrem wichtig. Probleme sollen offen angesprochen werden können, ohne Angst, denn nur so kann man wirklich wachsen.
Außerdem sollen in einer Mannschaft alle gleich sein. Keiner ist besser oder schlechter als der andere – jeder hat seinen Wert und seine Rolle. Ich möchte, dass wir füreinander einstehen, uns schützen und verteidigen, wie man es in einer Familie tut. Wenn jemand fällt, helfen die anderen ihm hoch – sportlich wie menschlich.
Ein Satz beschreibt das für mich ganz gut: Talent bringt dich rein, Charakter hält dich drin. Wenn diese Basis stimmt, wächst daraus automatisch eine starke Mannschaft.
Wie hat sich das Team über die Jahre entwickelt – spielerisch, aber auch menschlich?
Der Kern der Mannschaft besteht seit dem Umbruch im Sommer 2023. Ich hatte damals ehrlich gedacht, dass wir schneller in unseren Prozess hineinwachsen würden. Genau dort habe ich selbst gelernt, geduldiger zu sein. Entwicklung lässt sich nicht erzwingen – sie muss reifen.
Seit der Hinrunde merkt man aber deutlich, dass unsere Abläufe immer besser sitzen. Nach knapp drei Jahren können wir Dinge festigen, Details schärfen und langsam eine eigene Spielphilosophie entwickeln. Spielerisch sind wir inzwischen auf einem sehr guten Niveau angekommen.
Noch bemerkenswerter ist für mich aber die menschliche Entwicklung. Über die Jahre sind wir vertrauter geworden, der gegenseitige Respekt ist ständig spürbar. Natürlich gibt es auch Reibung und wir ziehen uns gegenseitig auf – aber genau das gehört dazu. Wichtig ist, dass wir immer wieder zueinanderfinden.
Gerade jetzt in der Wintervorbereitung, die durch die Witterung alles andere als einfach ist, zeigt sich die Mannschaft extrem reif. Sie bleibt ruhig, arbeitet weiter und verliert den Fokus nicht. Das zeigt, wie sehr diese Gruppe gewachsen ist.
Was macht diesen Verein für dich so besonders, dass du nun in deine fünfte Saison gehst?
Ich könnte über diese Frage wahrscheinlich ein ganzes Buch schreiben. Ich war als Spieler und Trainer in sieben Vereinen aktiv, aber selten habe ich einen Verein erlebt, der so dynamisch ist wie dieser.
Hier habe ich das Gefühl, dass uns nicht nur zugehört wird, sondern dass man uns wirklich vertraut. Wir können aktiv mitgestalten und sind nicht nur auf unsere Kernaufgabe beschränkt. Ideen werden nicht mit einem pauschalen „Nein“ abgetan, sondern häufig mit einem „Wir denken darüber nach“. Und oft werden wir dann sogar in die Umsetzung eingebunden. Das schafft Identifikation und Verantwortung.
Dazu kommt der ehrliche Umgang. Es werden keine Luftschlösser gebaut, sondern man begegnet sich offen, realistisch und auf Augenhöhe. Diese Transparenz ist im Fußball nicht selbstverständlich.
Und am Ende ist es auch die menschliche Wellenlänge. Man arbeitet hier nicht nur zusammen, man versteht sich auch persönlich. Genau diese Mischung aus Vertrauen, Ehrlichkeit und gemeinsamer Entwicklung macht den Verein für mich besonders.
Worauf freust du dich abseits des Platzes am meisten?
Auf die gemeinsamen Momente ohne Druck: Gespräche, Lachen, dieses Gefühl von Gemeinschaft. Gerade dort entstehen Vertrauen und Bindung, die man später auf dem Platz spürt.
Ich habe mich auch voll und ganz auf Gräfenhainichen eingelassen. Abseits des Kerngeschäfts habe ich viele Abende in Häusern und Gärten von Vereinsmitgliedern verbracht – einfach als Privatperson. Und genau das genieße ich sehr: nicht nur als Trainer gesehen zu werden, sondern auch als Mensch hier einen Platz zu haben.
Diese Nähe und echte Verbundenheit sind etwas Besonderes und geben einem unglaublich viel zurück.
Zum Abschluss: Wenn du einen Wunsch für die kommende Zeit frei hättest – welcher wäre das?
An erster Stelle steht die Gesundheit – für mich, die Spieler, die Vereinsmitglieder, eigentlich für alle. Das ist die Grundlage für alles, im Fußball wie im Leben.
Sportlich liegt mein voller Fokus auf der aktuellen Saison, denn da haben wir noch etwas vor. Wenn ich weiter nach vorne blicke, wünsche ich mir einfach eine schöne Zukunft für den Verein – mit Erfolgen, die wir uns gemeinsam erarbeiten.
Und persönlich wünsche ich mir, dass ich solche Momente mehr genießen kann. Ich bin oft schon wieder beim nächsten Spiel, beim nächsten Schritt. Vielleicht schaffe ich es, öfter innezuhalten – und mich hier und da noch ein Stück mehr zu öffnen.
Und ich wünsche mir, dass uns die Fans treu bleiben und wir diese besondere Zeit weiterhin gemeinsam erleben.
Abschließend können wir nur herzlich Dankeschön sagen, für das, was du bisher geleistet hast und für das, was du noch leisten wirst.
Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und wünschen dir, lieber Richard, weiterhin viel Erfolg bei uns im Verein!
