Eine Ära die Spuren hinterlässt: Philipp verabschiedet sich aus der Ersten!
Martin Otto, 10.07.2026
Es gibt Spieler, deren Bedeutung für einen Verein sich in Einsätzen, Toren und Vorlagen ausdrücken lässt. Und es gibt Spieler, bei denen Zahlen allein niemals ausreichen werden, um zu beschreiben, welchen Stellenwert sie für eine Mannschaft und einen ganzen Verein besitzen. Philipp Werner gehört zweifellos zur zweiten Kategorie.
Zur kommenden Saison wird Philipp nicht mehr für unsere erste Mannschaft auflaufen und künftig unsere Zweite verstärken. Ein wirklicher Abschied ist es glücklicherweise nicht. Philipp bleibt dem VfB erhalten und darüber sind wir unheimlich froh. Denn der Aufschwung des VfB in den vergangenen Jahren ist eng mit dem Namen Philipp Werner verbunden.
Philipp hat in seiner Zeit in Blau-Gelb alles erlebt, was der Fußball zu bieten hat. Gemeinsame Höhen und Tiefen. Emotionale Siege und schmerzhafte Niederlagen. Wichtige Tore und bittere Fehlschüsse. Aufstiege und Abstiege. Große persönliche Momente und einen der schwersten Rückschläge, die ein Fußballer erleben kann.
Philipp hat alles erlebt und genau das strahlt er heute aus, oder um es in der heutigen Jugendsprache zu sagen: Philipp hat einfach Aura.
Seine erste Saison beim VfB endete mit der Corona-Meisterschaft in der Kreisoberliga. Es folgten zwei Meisterschaften in der Landesklasse und die jeweils dazugehörigen Kreispokalsiege. Insgesamt absolvierte Philipp 106 Spiele für unsere erste und zweite Mannschaft. Dabei erzielte er beeindruckende 51 Treffer und bereitete weitere 24 Tore vor. Zahlen, die seine sportliche Bedeutung für den VfB eindrucksvoll unterstreichen, doch seine Geschichte beim VfB besteht aus so viel mehr.
Philipps zentrale Eigenschaften waren und sind seine schonungslose Ehrlichkeit und seine bedingungslose Loyalität. Wenn ihm etwas nicht gefällt, dann spricht er es an. Wenn er Missstände erkennt, benennt er sie deutlich. Vielleicht manchmal unbequem, aber immer ehrlich und immer mit dem Ziel, etwas zu verbessern.
Dabei war Philipp nie jemand, der anschließend der Verantwortung aus dem Weg ging. Im Gegenteil, er war da. In guten Zeiten. In schwierigen Zeiten. Nach Siegen. Nach Niederlagen. Und dann kam jener dunkle Tag im August 2024. In seinem ersten Landesligaspiel zog sich Philipp einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch zu. Eine schwere Verletzung, die weit über den Fußball hinausging und bei der sich zunächst ganz andere Fragen stellten als die nach einer Rückkehr auf den Platz.
Doch Philipp bewies in dieser Zeit eine weitere Tugend, er kämpfte, er quälte sich und er arbeitete sich mit einer beeindruckenden Verbissenheit zurück.
Dabei hatte er ein klares Ziel vor Augen: Er wollte seine Landesliga-Saison spielen. Und er wollte noch einmal vor dem berühmten Gräfenhainicher Balkon in Richtung Kirche treffen. Für diesen Moment investierte Philipp alles. Es brauchte Geduld. Es brauchte Rückschläge. Und es brauchte bis zum Heimspiel gegen Zerbst. Dann war er da, dieser eine Moment.
Philipp traf vor dem Balkon und erfüllte sich damit seinen Traum. Ein Tor, das vielleicht nicht das wichtigste seiner 51 Treffer für den VfB war. Aber vermutlich eines der emotionalsten. Ein Moment, der eindrucksvoll bewiesen hat, dass sich harte Arbeit, Geduld und der Glaube an ein Ziel auszahlen können. Und wer dachte, dass damit die Geschichte von Philipp Werner in unserer ersten Mannschaft bereits zu Ende erzählt war, wurde im letzten Saisonspiel gegen Leuna eines Besseren belehrt. Ausgerechnet in seinem letzten Spiel für unsere Erste zeigte Philipp noch einmal eine seiner vielleicht besten Leistungen im VfB-Trikot. Passender hätte der Schlusspunkt kaum sein können.
Philipp wird künftig für unsere zweite Mannschaft auflaufen. Darüber freuen wir uns nicht nur aus sportlicher Sicht. Vor allem menschlich sind wir froh und dankbar, einen Menschen wie Philipp weiterhin in unseren Reihen zu wissen.
Denn Philipp gehört zu den Menschen, die sich selbst vielleicht gar nicht so wichtig nehmen. Er spricht nicht ständig. Er drängt sich nicht in den Mittelpunkt. Aber wenn Philipp etwas sagt, dann hat es Wirkung.
Und vielleicht ist ihm selbst gar nicht immer bewusst, welche Bedeutung er für viele Menschen innerhalb und rund um unseren Verein besitzt. Philipp ist nicht einfach nur ein Fußballer. Er ist nicht einfach nur ein Spieler, der 106 Mal für den VfB aufgelaufen ist. Er ist nicht einfach nur ein Spieler, der 51 Tore geschossen und 24 weitere vorbereitet hat. Philipp Werner verkörpert wie kaum ein Zweiter den Weg, den dieser Verein in den vergangenen Jahren gegangen ist. Von der Kreisoberliga bis in die Landesliga. Von Meisterschaften und Pokalsiegen bis hin zu Abstiegen und bitteren Niederlagen.
Lieber Philipp,
danke für alles, was du für unsere erste Mannschaft geleistet hast. Danke für deine Tore. Danke für deine Ehrlichkeit. Danke für deine Loyalität. Danke für deine Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Danke dafür, dass du mit uns durch gute und schlechte Zeiten gegangen bist. Du hast Spuren hinterlassen. Du hast diesen Verein mitgeprägt. Du hast eine Ära mit geprägt.
Wir freuen uns auf eine weiterhin geile, erfolgreiche und hoffentlich noch lange gemeinsame Zeit in Blau-Gelb.
Danke für alles, Philipp.
